DDG-Kongress: Eine Reise in die Zukunft

Der 55. Kongress der Deutschen Diabetes-Gesellschaft verspricht im Motto: "Eine Reise in die Zukunft der Diabetologie". Kongresspräsident Prof. Dr. Hendrik Lehnert erklärt im esanum-Interview, warum es "ein sehr wichtiger, sehr spannender Kongress" wird und welche Highlights zu erwarten sind.

Der 55. Kongress der Deutschen Diabetes-Gesellschaft verspricht im Motto: "Eine Reise in die Zukunft der Diabetologie". Kongresspräsident Prof. Dr. Hendrik Lehnert erklärt im esanum-Interview, warum es "ein sehr wichtiger, sehr spannender Kongress" wird und welche Highlights zu erwarten sind. 

esanum: Prof. Lehnert, erklären Sie uns bitte das Kongress-Motto. Wohin geht die angekündigte Reise der Diabetologie?

Lehnert: Es geht wie in vielen anderen komplexen Erkrankungen der Inneren Medizin auch bei uns um die große Bedeutung der personalisierten Medizin. Das wird das größte Thema der kommenden Jahre sein. Wir hoffen, für jeden Patienten eine maßgeschneiderte Therapie entwickeln zu können. Und wir werden immer mehr dazu lernen, welche Medikamente oder Systemtherapien, wie z. B. Insulin, für welche Patienten das Beste sind.

esanum: Wird auch Prävention im Mittelpunkt stehen, sodass Diabetes eines Tages vermeidbar wird und Ihr Fach sich in Zukunft sogar selbst abschafft?

Lehnert: Etwas Besseres kann man eigentlich nicht tun als die Zahl der Erkrankten zu reduzieren. Ganz sicher werden wir große Möglichkeiten in der Prävention haben. Wir haben in der Identifizierung von Untergruppen des Diabetes große Fortschritte gemacht - wenn es beispielsweise um die betroffenen Organsysteme geht, wie etwa die Bauchspeicheldrüse und wie sie hinsichtlich der Insulinbildung und Freisetzung funktioniert. Durch die bessere Beschreibung der Diabetes-Typen können wir genauer schauen, wie es in der Familie ausschaut. Liegt eine Risiko-Konstellation vor und ist das Übergewicht eines Patienten auf Grund anderer Begleitumstände mit einem größeren Risiko verbunden? Für den Typ-1-Diabetes hoffe ich, dass wir durch neue Impfstrategien größere Fortschritte machen.

esanum: Was sind 2021 weitere Hot Diabetes Topics?

Lehnert: Weitere Schwerpunkthemen sind genetische Fragen. Und wie wir aus der Fülle von Daten, die wir von Diabetikern haben, weiteren Einblick in die Entstehung der Erkrankung bekommen. Ganz wichtig sind Diabetes-Technologien, beispielsweise der Fortschritt der kontinuierlichen Blutzuckermessungen, zunehmend auch Closed Loop Anwendungen, also die intelligente, sich selbst steuernde Diabetes-Therapie. Und wir widmen uns den Diabetes-Komplikationen, Erkrankungen an Niere, Augen, Nerven, das diabetisches Fußsyndrom – die sind leider nicht weniger geworden.

esanum: Was tun Sie für die jungen Ärzte, den Nachwuchs in Ihrem Fach?

Lehnert: Wir bieten intensive Betreuung und Mentoring an. Wir haben eigene Highlights für den wissenschaftlichen Nachwuchs, aber auch für diejenigen, die in die Kliniken wollen. Da wird es Diskussionsrunden geben, zu ihren Zukunftsperspektiven. Und wir machen intensive Posterbegehungen, die ja gern von jüngeren Kolleginnen und Kollegen gestaltet werden.

esanum: Gibt es auch aktuelle Erkenntnisse zu COVID-19?

Lehnert: Mit dem Thema Corona und der Versorgung von Menschen mit Diabetes beschäftigen sich eine Reihe von Postern. Unsere Klientel ist - anders als manchmal öffentlich dargestellt – extrem anfällig für schwere COVID-Verläufe und es gibt Daten, dass ihre Mortalität um den Faktor 10 erhöht ist. Bereits Vorstufen des Diabetes sind ein ganz enormes Risiko, schwerer an COVID-19 zu erkranken.

esanum: Lockdown bedeutet für viele auch: weniger Bewegung, mehr Frustessen – was sehen Sie hier bei Ihren Patienten?

Lehnert: Es ist ein bisschen früh, diese Entwicklung zu beurteilen. Aber die Hinweise häufen sich, dass es zu mehr depressiven Erkrankungen kommt - und das hat natürlich Einfluss auf Diabetiker. Denn die richtige Einstellung des Diabetes wird in erheblichem Maße von psychischen Fakten mitbestimmt. Wir haben das im Blick und es wird dazu Poster geben. Man muss auch sagen, dass die Versorgungsqualität für Diabetiker unter Corona eingeschränkt war. Da sind wir natürlich besorgt. Daten dazu werden wir sicher bald bekommen.

esanum: Was macht eigentlich der Aufbau des nationalen Diabetes-Registers?

Lehnert: Das ist eines der wichtigsten Projekte der DDG. Wir müssen jetzt Registerdaten und elektronische Diabetesakte zusammenführen. Da gibt es noch offene Fragen, vor allem auch technische. Ich erwarte große Fortschritte in diesem Jahr.

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