Rheumatoide Arthritis: erhöhtes Krebsrisiko unter JAKi

Neue Daten aus dem deutschen RABBIT-Register zeigen bei rheumatoider Arthritis ein erhöhtes Malignomrisiko unter JAK-Inhibitoren im Vergleich zu Biologika. Entscheidend ist vor allem die individuelle Risikokonstellation.

Das Wichtigste auf einen Blick zu JAK-Inhibitoren und zum Malignomrisiko bei rheumatoider Arthritis

  • Es zeigte sich unter JAK-Inhibitoren ein erhöhtes Malignomrisiko im Vergleich zu Biologika: Die Ereignisraten lagen bei 11,6 versus 8,9 Malignomen pro 1000 Patientenjahre; das adjustierte Hazard Ratio betrug 1,40.
  • Besonders betroffen waren u. a. Personen ab 60 Jahren, Menschen mit hoher Krankheitsaktivität oder mit mehrfacher konventioneller DMARD-Therapie in der Vorgeschichte und Raucher.
  • Für die Praxis spricht das nicht gegen den Einsatz von JAK-Inhibitoren, aber für eine bewusste Risikoabwägung und eine konsequente, alters- und risikoadaptierte Krebsvorsorge.

Ausgewertet wurden Behandlungsepisoden von Patienten mit rheumatoider Arthritis, die zwischen Januar 2017 und Dezember 2020 begonnen hatten und bis maximal Juni 2024 nachverfolgt wurden. Verglichen wurden Patienten, die jemals mit einem JAK-Inhibitor behandelt worden waren, mit Patienten unter biologischen DMARDs. Erfasst wurden neu aufgetretene bösartige Erkrankungen; nichtmelanozytärer Hautkrebs wurde aus der Analyse ausgeschlossen.

JAKi: 40 % höheres relatives Malignomrisiko als unter Biologika

Insgesamt flossen 2285 JAKi- und 4259 Biologika-Therapieepisoden in die Analyse ein. Während oder nach diesen Behandlungen traten 88 Malignome in der JAKi-Gruppe und 135 Malignome in der Biologika-Gruppe auf. Bei den einzelnen Tumorarten fielen in RABBIT eher Prostatakarzinome sowie gynäkologische Tumoren wie Endometrium-, Zervix-, Ovarial- und Vulvakarzinome auf. Die Fallzahlen waren jedoch klein; ob einzelne Krebsarten unter JAKi tatsächlich häufiger auftreten, lässt sich darum nicht sicher beurteilen.

Bezogen auf die Beobachtungszeit entsprach das insgesamt 11,6 Malignomen pro 1000 Patientenjahre unter JAKi und 8,9 Malignomen pro 1000 Patientenjahre unter Biologika. Auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Krankheitsaktivität und Vortherapien blieb ein Unterschied bestehen: Das relative Malignomrisiko lag unter JAKi etwa 40 % höher als unter Biologika.

Absolut betrachtet war die Differenz jedoch deutlich kleiner: Die Number Needed to Harm lag bei 368, das heißt: statistisch müssten 368 Personen ein Jahr lang mit einem JAKi statt mit einem Biologikum behandelt werden, damit ein zusätzliches Malignom beobachtet wird.

Höheres Risiko bei bestimmten Patientengruppen 

Allerdings waren nicht alle Patienten unter JAKi in gleichem Maße von dem beobachteten Malignomrisiko betroffen. In der Analyse zeigte sich das Risikosignal vor allem bei Personen mit folgenden Merkmalen:

  • Alter ab 60 Jahren
  • hohe Krankheitsaktivität
  • mindestens drei frühere konventionelle DMARD-Therapien
  • aktuelles oder früheres Rauchen
  • männliches Geschlecht
  • Erkrankungsdauer von mehr als zehn Jahren
  • keine vorherige Behandlung mit TNF- oder IL-6-Inhibitoren

Für die Praxis zählt daher auch das individuelle Risikoprofil. Je mehr dieser Faktoren zusammenkommen, desto sorgfältiger sollten JAKi gegen mögliche Alternativen abgewogen und Krebsvorsorgeuntersuchungen alters- und risikoadaptiert eingeplant werden.

Risikosignal zeigte sich erst bei längerer Nachbeobachtung 

Ein wichtiger Punkt für die Einordnung ist die Nachbeobachtungszeit. In RABBIT zeigte sich der Unterschied zwischen JAKi und Biologika erst nach mehr als 16 Monaten. Das könnte erklären, warum frühere Beobachtungsstudien mit kürzerer Laufzeit das Signal aus ORAL Surveillance bislang nicht eindeutig bestätigen konnten. Für die Praxis sind die Daten deshalb vor allem bei längerfristigen Therapieentscheidungen relevant – also dann, wenn JAKi nicht nur als kurzfristige Option, sondern als dauerhafte Krankheitskontrolle eingesetzt werden.

Gleichzeitig bleibt die Aussagekraft von Beobachtungsdaten begrenzt. Die Analyse zeigt eine Assoziation, beweist aber keine Kausalität zwischen JAKi und Malignomen. Zudem beantwortet sie nicht die Frage, wie das Risiko bei Patienten einzuschätzen ist, deren rheumatoide Arthritis unter JAKi besser kontrolliert ist als unter anderen Therapien. Das ist klinisch relevant, weil auch eine anhaltend hohe Krankheitsaktivität mit einem erhöhten Malignomrisiko verbunden sein kann.

Fazit

Die Daten sprechen nicht gegen den Einsatz von JAKi, aber für eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung bei Personen mit erhöhtem Risikoprofil, etwa bei höherem Lebensalter. Gleichzeitig bleibt eine gute Krankheitskontrolle wichtig und diese kann bei einzelnen Betroffenen gerade durch diese Substanzklasse erreicht werden. Ein pragmatischer Weg ist daher, JAKi bei Risikopatienten nicht pauschal zu vermeiden, sondern ihren Einsatz eng mit regelmäßiger Krebsvorsorge und der frühen Abklärung auffälliger Befunde zu verknüpfen.

Quelle:
  1. Schäfer, M., Strangfeld, A. Neue Erkenntnisse aus dem RABBIT-Register zum Krebsrisiko von Patient:innen mit rheumatoider Arthritis bei Therapie mit Januskinaseinhibitoren. Z Rheumatol 85, 65–69 (2026). https://doi.org/10.1007/s00393-025-01740-x