Erste Rheuma-DiGA: App auf Rezept bei axialer Spondyloarthritis

Axia ist die erste dauerhaft gelistete DiGA für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. In einer Studie zeigten sich Verbesserungen bei Krankheitsaktivität, Funktionsfähigkeit und Lebensqualität.

Das Wichtigste auf einen Blick zur Axia-DiGA bei axSpA:

  • Axia kann bei axialer Spondyloarthritis als digitale Ergänzung zur leitliniengerechten Bewegungstherapie verordnet werden.
  • Die App ergänzt die Standardversorgung bei axialer Spondyloarthritis durch strukturierte Bewegungstherapie, Edukation und Selbstmanagement.
  • Im Bechterew-App-Trial verbesserten sich nach 12 Wochen BASDAI, BASFI und ASQoL signifikant gegenüber Standardversorgung allein.
  • Die Anwendung ist extrabudgetär und budgetneutral verordnungsfähig.

Digitale Unterstützung für die Basistherapie

Axia ist als Ergänzung zur Standardversorgung konzipiert. Die App überträgt physiotherapeutische Inhalte in ein strukturiertes Heimprogramm und verbindet angeleitete Trainingseinheiten mit edukativen Bausteinen und Selbstmanagement-Funktionen. Die Anleitung erfolgt videobasiert und wird durch gesprochene Hinweise ergänzt. Neben dem regulären Programm enthält die Anwendung kurze Sequenzen zum Management akuter Beschwerden oder von Morgensteifigkeit. Zusätzlich können Patienten ihre Alltagsaktivität erfassen, etwa über Schrittziele oder die Dokumentation von Sporteinheiten. 

Studie spricht für Zusatznutzen

Die klinische Wirksamkeit wurde im prospektiven, randomisiert kontrollierten Bechterew-App-Trial untersucht. Eingeschlossen wurden 200 Patienten mit gesicherter axialer Spondyloarthritis unter laufender medikamentöser Behandlung. Die Interventionsgruppe nutzte Axia zusätzlich zur Standardversorgung, die Kontrollgruppe erhielt ausschließlich Standardversorgung. Insgesamt schlossen 186 Personen die 12-wöchige Studie vollständig ab.

Als Endpunkte wurden drei patientenrelevante Parameter gewählt: die Krankheitsaktivität (gemessen mit dem Fragebogen BASDAI), die Funktionsfähigkeit im Alltag (BASFI) und die krankheitsspezifische Lebensqualität (ASQoL).

Nach 12 Wochen zeigten sich in allen drei Endpunkten signifikante Vorteile zugunsten der App-Gruppe: Die Werte sanken und verbesserten sich somit gegenüber der Kontrollgruppe beim BASDAI um adjustiert 1,51 Punkte. Für den BASFI lag die Senkung bei 1,14 Punkten, für den ASQoL bei 2,30 Punkten.

Auch die Responderanalysen fielen zugunsten der digitalen Intervention aus. Ein Ansprechen nach ASAS20-Kriterien erreichten 51 % der Patienten in der Interventionsgruppe gegenüber 9 % in der Kontrollgruppe. Ein stärkeres Ansprechen nach ASAS40-Kriterien wurde bei 23 % versus 3 % beobachtet. Zudem erreichten unter Axia deutlich mehr Patienten eine mindestens klinisch relevante Verbesserung bei Krankheitsaktivität, Funktionsfähigkeit und krankheitsspezifischer Lebensqualität.

Keine geräteassoziierten unerwünschten Ereignisse

Sicherheitsrelevante Signale ergaben sich in der Studie nicht. Insgesamt wurden vier schwerwiegende unerwünschte Ereignisse berichtet: eines in der Interventionsgruppe und drei in der Kontrollgruppe. Geräteassoziierte unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Damit ergaben sich aus der 12-wöchigen Untersuchung keine Hinweise auf ein spezifisches Sicherheitsproblem der digitalen Anwendung.

Verordnung über Muster 16 oder E-Rezept

Axia ist nach § 33a SGB V verordnungsfähig. Für Vertragsärzte ist die Verordnung extrabudgetär und budgetneutral. Sie kann über ein Muster-16-Rezept mit Angabe der PZN 20516705 erfolgen. Nach Einreichung bei der Krankenkasse erhält der Patient einen Aktivierungscode und kann die Anwendung freischalten. Alternativ ist auch eine Verordnung per E-Rezept möglich.

Zugelassen ist die DiGA für ICD-10-GM-Codes aus dem Bereich der entzündlichen Spondylopathien, darunter M45, M46.8 und M46.9. Die App wird zunächst für drei Monate freigeschaltet. Bei fortgesetztem Nutzen kann die Behandlung anschließend über eine erneute Verordnung weitergeführt werden.

Fazit

Die App ist vor allem als strukturierte Ergänzung zur leitliniengerechten Bewegungstherapie relevant. Sie kann dabei helfen, Übungsprogramme regelmäßiger und alltagsnäher umzusetzen, etwa bei Patienten, die zwischen Physiotherapieterminen Unterstützung benötigen oder von einer klaren Trainingsstruktur profitieren.

Wichtig bleibt die Auswahl geeigneter Patienten. Digitale Gesundheitskompetenz, Motivation, Adhärenz und individuelle Präferenzen sollten vor der Verordnung berücksichtigt werden. Ebenso sollte die Nutzung ärztlich begleitet werden, ähnlich wie bei anderen verordneten Therapien.

Quelle:
  1. Krusche, M. Erste zugelassene rheumatologische DiGA für die axiale Spondyloarthritis. Z Rheumatol (2026). https://doi.org/10.1007/s00393-026-01826-0