- Ibounig T et al., Incidental Rotator Cuff Abnormalities on Magnetic Resonance Imaging. JAMA Intern Med 2026; 186(4): 406–414. doi:10.1001/jamainternmed.2025.7903 (letzter Zugriff: 27.10.2026).
Die finnische FIMAGE-Studie (Finnish Imaging of Shoulder) rekrutierte Teilnehmer aus der „Health 2000“-Erhebung, einer nationalen, repräsentativen, longitudinalen Gesundheitsstudie, die vom Finnischen Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit durchgeführt wurde. Per Zufallsstichprobe wurden daraus rund 600 finnische Erwachsene im Alter von 41 bis 76 Jahren ohne vorangegangene Schultergelenkersatzoperation ausgewählt.
Die Untersuchung umfasste strukturierte Interviews, standardisierte Fragebögen, klinische Schultertests und Schulter-MRTs. Der Zustand der Rotatorenmanschettensehnen wurde im MRT folgendermaßen klassifiziert:
Zum Zeitpunkt der Untersuchung gaben 18 % der Teilnehmer an, unter akuten Schultersymptomen zu leiden. Im MRT zeigte sich jedoch ein verblüffendes Bild: 96 % der symptomatischen und sogar 98 % der asymptomatischen Teilnehmer wiesen Auffälligkeiten auf. Insgesamt hatten 99 % der Studienkohorte mindestens eine RM-Anomalie – darunter 25 % Tendinopathien, 62 % Teilrisse und 11 % Vollrisse. Während Tendinopathien vor allem bei den 40- bis 54-Jährigen dominierten, traten strukturelle Sehnenschäden ab 55 Jahren in den Vordergrund.
Lediglich FTTs traten bei symptomatischen Schultern häufiger auf als bei asymptomatischen (14,6 versus 6,5 %), doch nach Bereinigung um klinisch relevante Störfaktoren bestand auch hier kein Unterschied mehr zwischen beiden Gruppen.
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir derzeit nicht in der Lage sind, klinisch bedeutsame MRT-Befunde von Zufallsbefunden zu unterscheiden“, folgern die Autoren. Und das trotz modernster 3T-MRTs und detaillierter klinischer Untersuchungen durch erfahrene Schulterspezialisten. Dies stellt aus ihrer Sicht den klinischen Wert routinemäßiger bildgebender Untersuchungen bei atraumatischen Schulterschmerzen in Frage.
Zudem müsse die derzeitige Terminologie hinterfragt werden. Begriffe wie „Anomalie“ oder „Riss“ suggerierten behandlungsbedürftige strukturelle Pathologien, obwohl es sich eher um normale, altersbedingte Veränderungen handele. Stattdessen plädieren die Autoren für weniger wertende Begriffe wie „Läsion“, „Defekt“, „Ausfransung“, „Unterbrechung“, „strukturelle Veränderung“ oder „Degeneration“. Dies könne sowohl die Angst der Patienten als auch das Bedürfnis nach einer „Reparatur“ der Befunde eindämmen.