Woran erkennt man eine gefährliche Infektion bei Kontaktlinsenträgern – und was ist dann zu tun?
Bei Kontaktlinsenträgern mit akuter Augenrötung darf eine wichtige Differentialdiagnose auf keinen Fall übersehen werden: die mikrobielle Keratitis.
Infektionsrisiko bei Kontaktlinsenträgern:
- Das Tragen von Kontaktlinsen geht mit einem erhöhten Infektionsrisiko der Augenoberfläche und der Hornhaut einher. Zu den Risikofaktoren zählt vor allem das Tragen über Nacht oder über einen längeren Zeitraum.
- Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer sterilen, nicht infektiösen Entzündung und einer infektiösen (bakteriellen, pilzbedingten oder protozoischen) Keratitis.
- Die Inzidenz der mikrobiellen Keratitis beträgt beim täglichen Tragen von weichen Kontaktlinsen etwa 2–4 Fälle pro 10.000 Trägern pro Jahr.
- Schwerwiegende Folgen treten bei etwa 20 % der Kontaktlinsen-assoziierten Infektionen auf. Dazu zählen Hornhautulzeration, Narbenbildung und Sehverlust.
Red flags für eine mikrobielle Keratitis
Eine plötzliche Rötung, Tränenfluss und Lichtempfindlichkeit sind typische Symptome bei Kontaktlinsenträgern mit entzündetem Auge. Ob es sich dabei um eine harmlose Reizung oder eine mikrobielle Kontamination handelt, ist vor allem im Anfangsstadium klinisch oft schwer zu beurteilen.
Warnhinweise für eine mikrobielle Infektion sind:
- starke Schmerzen
- Photophobie mit reduzierter Sehschärfe und/oder verschwommenem Sehen
- Ausfluss
- ausgeprägte Hyperämie der Bindehaut
- Hornhautinfiltrat oder epithelialer Defekt
Bei der Einschätzung hilft eine gezielte Anamnese. Dabei sollte nach früheren Augeninfektionen und -verletzungen, Vorerkrankungen, der Einnahme von Kortikosteroiden oder immunmodulierenden Medikamenten sowie relevanten Allergien gefragt werden. Wichtig ist außerdem, welcher Linsentyp verwendet wird und wie die Linsen gepflegt werden.
Topische Antibiotikatherapie mit Fluorchinolonen
Bei der Augenuntersuchung sollte die Sehschärfe an beiden Augen überprüft und auf sichtbare Hornhauttrübungen, Epitheldefekte oder Ausfluss geachtet werden. Bei auffälligen Befunden oder diagnostischer Unsicherheit sollten die Patienten unverzüglich augenärztlich vorgestellt werden.
Ist eine zeitnahe augenärztliche Beurteilung (innerhalb von 4 Stunden) nicht möglich, sollte vor einer kalkulierten antibiotischen Therapie (z. B. mit Fluorchinolonen der 2. bis 4. Generation) unbedingt ein mikrobiologischer Hornhautabstrich erfolgen. Topische Kortikosteroide, Lokalanästhetika (Achtung: Missbrauchsgefahr durch Patienten) oder das Anlegen einer Augenklappe sind in der Akutphase strikt kontraindiziert.
Darüber hinaus sollten die Patienten die Linsen, den Aufbewahrungsbehälter und die Kontaktlinsenflüssigkeit für eine mikrobiologische Untersuchung aufbewahren.
Kontaktlinsen nicht über Nacht tragen
Bei der Nachsorge ist insbesondere auf eine adäquate Anwendung und Pflege der Kontaktlinsen zu achten:
- Keine ungeeigneten oder schlecht sitzenden Linsen verwenden
- Vor jedem Einsetzen, Herausnehmen oder Berühren der Linsen die Hände gründlich mit Seife waschen und mit einem fusselfreien Tuch abtrocknen.
- Kontaktlinsen niemals über Nacht tragen.
- Kontakt mit Wasser konsequent vermeiden (Linsen beim Duschen oder Schwimmen herausnehmen und nicht mit Leitungswasser abspülen).
- Stets frische Desinfektionslösung verwenden (kein „Nachfüllen“ oder Wiederverwenden von altem Pflegemittel im Behälter).
- Empfohlene Austauschintervalle (Tages-, Monatslinsen) strikt einhalten und den Behälter regelmäßig erneuern.