Mitralklappenchirurgie: Bringt der minimalinvasive Zugang Vorteile?
Eine aktuelle Metaanalyse vergleicht minimalinvasive und konventionelle Mitralklappenoperationen. Im Fokus standen frühe postoperative Ergebnisse – darunter Sterblichkeit, Wundinfektionen, Nierenversagen, Blutungskomplikationen und Aufenthaltsdauer.
Das Wichtigste auf einen Blick zur minimalinvasiven Mitralklappenchirurgie
- Kürzere Hospitalisation und weniger Blutungen: Patientinnen und Patienten nach minimalinvasiver OP verließen das Krankenhaus im Schnitt knapp 2 Tage früher. Zudem traten deutlich seltener Reoperationen wegen Nachblutungen auf.
- Gleichwertige Sicherheit: Bei zentralen Endpunkten wie Mortalität, Schlaganfall, Myokardinfarkt und akutem Nierenversagen gab es keine signifikanten Unterschiede zur Sternotomie.
- Längere Perfusionszeit: Die Zeit an der Herz-Lungen-Maschine war beim minimalinvasiven Vorgehen im Mittel um rund 19 Minuten verlängert, ohne dass dies zu messbaren klinischen Nachteilen führte.
- Hohe Evidenzqualität: Die Ergebnisse stützen sich überwiegend auf Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko und hoher Evidenzsicherheit.
In die Analyse gingen neun Publikationen zu acht randomisierten klinischen Studien ein, insgesamt mit 1.248 Patientinnen und Patienten. Davon wurden 562 minimalinvasiv operiert, 686 über den konventionellen Zugang. Eingeschlossen waren Erwachsene, die sich einer Mitralklappenoperation unterzogen; robotische, endovaskuläre und Re-Operationen wurden ausgeschlossen. Als primäre Endpunkte wurden Sterblichkeit, akutes Nierenversagen und Wundinfektionen definiert. Zusätzlich wurden kardiovaskuläre Ereignisse wie Myokardinfarkt und Schlaganfall, Operationszeiten (darunter Dauer an der Herz-Lungen-Maschine, Aortenabklemmzeit und gesamte Eingriffsdauer) sowie postoperative Parameter wie Transfusionsbedarf, Beatmungsdauer, Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation, Krankenhausaufenthalt und Revision wegen Blutung ausgewertet.
Bewertet wurden dabei nicht nur die Studienergebnisse, sondern auch das Verzerrungsrisiko und die Sicherheit der Evidenz selbst. Das ist ein wichtiger Punkt, weil frühere Übersichtsarbeiten häufig randomisierte und beobachtende Daten vermischt oder die Evidenzsicherheit nicht strukturiert beurteilt hatten.
Kürzerer Krankenhausaufenthalt, weniger Reoperationen wegen Blutung
Der klarste Vorteil des minimalinvasiven Vorgehens zeigte sich im postoperativen Verlauf: Der Krankenhausaufenthalt war in der minimalinvasiv operierten Gruppe im Mittel um 1,83 Tage kürzer als nach konventioneller Sternotomie. Auch Reoperationen wegen Blutungen traten in der Metaanalyse seltener auf: Das relative Risiko lag bei 0,24. Für den Aufenthalt auf der Intensivstation zeigte sich ebenfalls ein Unterschied zugunsten des minimalinvasiven Vorgehens. Im Mittel war er um 0,71 Tage kürzer; statistisch erreichte dieser Befund jedoch nicht die Signifikanzgrenze. Ähnlich sieht es bei den Ergebnissen zu Wundinfektionen aus: Hier zeigte sich ein Trend zugunsten des minimalinvasiven Vorgehens (RR 0,47; 95%-KI 0,22–1,00), jedoch kein signifikanter Unterschied.
Sicherheitsendpunkte blieben vergleichbar
Bei den zentralen Sicherheitsaspekten fand die Metaanalyse keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Verfahren. Das galt für die Sterblichkeit ebenso wie für akutes Nierenversagen, Schlaganfall, Myokardinfarkt und den Bedarf an Bluttransfusionen.
Operative Parameter: längere Zeit an der Herz-Lungen-Maschine
Bei den zeitlichen Parametern zeigte sich nur für die Zeit an der Herz-Lungen-Maschine ein signifikanter Unterschied: Sie war beim minimalinvasiven Vorgehen im Mittel um 19,43 Minuten länger. Für die Aortenabklemmzeit und die gesamte Eingriffsdauer ergab sich dagegen kein signifikanter Unterschied. Allerdings war die Heterogenität bei diesen Auswertungen hoch, die Ergebnisse variierten also deutlich zwischen den Studien.
Wie belastbar sind die Ergebnisse?
Für die Einordnung der Ergebnisse ist relevant: Die meisten eingeschlossenen Studien hatten ein niedriges Verzerrungsrisiko, und 87,5 % der bewerteten Endpunkte wurden nach GRADE mit hoher Evidenzsicherheit eingestuft. Für die primären Endpunkte zeigte sich keine Heterogenität.
Fazit
Die Studie stärkt damit die Evidenz für den minimalinvasiven Zugang als sichere und wirksame Alternative zur konventionellen Sternotomie. Der Vorteil zeigte sich vor allem durch eine kürzere Hospitalisationsdauer, weniger Revisionen aufgrund von Nachblutungen sowie günstige Tendenzen bei Wundinfektionen und Intensivaufenthalt. Zugleich ergab sich kein Nachteil bei den zentralen frühen Sicherheitsendpunkten. Das Studienteam sieht darin eine Grundlage für klinische Empfehlungen zugunsten der minimalinvasiven Mitralklappenchirurgie. Besonders relevant ist, dass diese Aussage nicht nur auf Effektgrößen beruht, sondern auf einer systematischen Bewertung von Verzerrungsrisiko und Evidenzsicherheit. Einschränkungen wie moderate Evidenz für akutes Nierenversagen und heterogene Daten bei einzelnen Zeitparametern ändern aus Sicht des Studienteams nichts an der insgesamt positiven Einordnung des minimalinvasiven Vorgehens.
- Spadini FA, Lira KB, Delvaux RS, Kopittke L, Anschau F, Ceron RO, et al. Minimally invasive versus conventional mitral valve surgery: a systematic review and meta-analysis of randomised clinical trials. Open Heart. 2026;13(1):e003612. https://doi.org/10.1136/openhrt-2025-003612 (letzter Zugriff: 21.09.2026).