- Sun G, Miao W, Liu S, et al. Intensive Systolic Blood Pressure Reduction and Kidney and Cardiovascular Outcomes: A Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2025;8(7):e2519604. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.19604.
Bisherige Studien lieferten zu der Frage, ob eine intensive Blutdrucksenkung negative Auswirkungen auf die Nieren haben könnte, kein einheitliches Bild. Während intensive Strategien kardiovaskuläre Vorteile zeigten, beschrieben einige Analysen auch ein erhöhtes Risiko für renale Endpunkte. Eine aktuelle Sekundäranalyse des China Rural Hypertension Control Project hat deshalb untersucht, ob ein Blutdruckziel von unter 130/80 mmHg bei Patienten mit Hypertonie, aber ohne fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung (Stadium ≥ 3), mit mehr Nierenschäden einhergeht und ob sich gleichzeitig kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren lassen.
Die Analyse basiert auf dem China Rural Hypertension Control Project, einer offenen, cluster-randomisierten Studie mit verblindeter Endpunktbewertung. Für die aktuelle Sekundäranalyse berücksichtigten die Autoren 33.332 Patienten mit Hypertonie, deren eGFR zu Studienbeginn bei mindestens 60 ml/min/1,73 m² lag. Patienten mit einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung (eGFR < 60 ml/min/1,73 m²) wurden somit nicht eingeschlossen.
Die Teilnehmer wurden nach ihrer Nierenfunktion in zwei Gruppen eingeteilt:
Das mittlere Alter lag bei 62,8 Jahren, 61,3 % der Teilnehmer waren Frauen. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 3,06 Jahre.
In der Interventionsgruppe erfolgte die Blutdruckbehandlung nach einem festen Protokoll mit einem Zielwert von <130/80 mmHg. Geschulte nichtärztliche Gesundheitsfachkräfte stellten Blutdruckmessgeräte für zu Hause bereit, boten regelmäßige Beratung an und erleichterten den Zugang zu Antihypertensiva. In der Kontrollgruppe blieb es bei der üblichen Versorgung ohne protokollbasiertes Hypertoniemanagement.
Nach 36 Monaten war der Blutdruck in der Interventionsgruppe deutlich niedriger als unter üblicher Versorgung:
Der kardiovaskuläre Nutzen war in beiden eGFR-Gruppen erkennbar:
Der Nutzen zeigte sich nicht nur im kombinierten Endpunkt, sondern – je nach eGFR-Gruppe – auch bei einzelnen kardiovaskulären Endpunkten wie Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt oder kardiovaskulärem Tod.
Für die Nieren zeigte sich kein statistisch signifikanter Nachteil der intensiven Blutdrucksenkung. Der primäre renale Endpunkt war definiert als eGFR-Abfall um mindestens 30 % auf einen Wert unter 60 ml/min/1,73 m².
Dies galt auch dann, wenn strengere Definitionen mit einem eGFR-Abfall um mindestens 40 % oder 50 % zugrunde gelegt wurden.
Bei den Sicherheitsendpunkten fiel auf, dass Hypotonien unter intensiver Behandlung häufiger auftraten. In der Gruppe mit niedrigerer Ausgangs-eGFR traten Hypokaliämien mit Serumkaliumwerten unter 3,0 mmol/l zudem häufiger auf. Andere unerwünschte Ereignisse nahmen nicht signifikant zu.
Die Analyse spricht dafür, dass ein Zielwert unter 130/80 mmHg bei Patienten mit Hypertonie ohne chronische Nierenerkrankung kardiovaskulär vorteilhaft sein kann, ohne dass sich in dieser Studie ein signifikant erhöhtes Risiko für klinisch relevante Nierenschäden zeigte. Das ist besonders relevant für Patienten mit leicht eingeschränkter Nierenfunktion, bei denen Ärzte oft zwischen kardiovaskulärem Nutzen und möglichen renalen Risiken abwägen müssen.