- Choi KH, Kang D, Kim W et al. Discontinuation of Beta-Blocker Therapy after Myocardial Infarction. N Engl J Med. 2026;394:1302-1312. doi:10.1056/NEJMoa2601005.
Nach einem Herzinfarkt gehören Betablocker seit Jahrzehnten zur medikamentösen Standardtherapie. Besonders gut begründet ist ihre dauerhafte Gabe bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder deutlich eingeschränkter Pumpfunktion der linken Herzkammer. Viele Patienten bleiben nach dem Infarkt jedoch langfristig stabil, haben keine Herzinsuffizienz und erhalten heute zusätzlich eine konsequente Sekundärprävention, etwa durch Revaskularisation, Lipidsenkung und Thrombozytenhemmung. Für diese Patientengruppe ist weniger gut belegt, ob Betablocker auch Jahre nach dem Infarkt noch einen zusätzlichen Schutz bieten.
Gleichzeitig kann eine langfristige Einnahme von Betablockern mit belastenden Nebenwirkungen einhergehen – etwa Müdigkeit, Schwindel, niedrigem Puls oder einer geringeren körperlichen Belastbarkeit. Vor diesem Hintergrund stellt sich im Praxisalltag eine konkrete Frage: Muss ein Betablocker bei Patienten ohne Herzinsuffizienz dauerhaft weitergeführt werden oder kann die Therapie nach längerer stabiler Phase beendet werden? Die SMART-DECISION-Studie liefert dazu nun interessante Daten.
Die SMART-DECISION-Studie wurde an 25 Zentren in Südkorea durchgeführt. Eingeschlossen wurden 2540 Patienten, die nach einem Herzinfarkt seit mindestens einem Jahr Betablocker eingenommen hatten. Am häufigsten handelte es sich hierbei um Carvedilol, Bisoprolol und Nebivolol. Bei Studienbeginn lag der Infarkt im Median 4,7 Jahre zurück. Die Teilnehmer hatten seitdem kein erneutes klinisches Ereignis entwickelt und wiesen keine Herzinsuffizienz auf. Zudem musste gemäß den Einschlusskriterien die linksventrikuläre Ejektionsfraktion mindestens 40 % betragen. Patienten mit Vorhofflimmern wurden ebenfalls nicht eingeschlossen.
Die Teilnehmer wurden zufällig zwei Behandlungsarmen zugeteilt. Die eine Hälfte setzte die Betablocker-Therapie nach der Randomisierung ab, die andere Hälfte setzte sie in unveränderter Dosierung fort.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3,1 Jahren zeigte sich kein Nachteil für die Patienten, die den Betablocker abgesetzt hatten. Tod jeglicher Ursache, ein erneuter Herzinfarkt oder eine Klinikeinweisung wegen Herzinsuffizienz traten bei 58 Patienten ohne weitere Betablockertherapie auf. Bei den Patienten, die den Betablocker weiter einnahmen, waren es 74 Ereignisse. Die geschätzten Ereignisraten nach vier Jahren lagen somit bei 7,2 % und 9,0 %.
Auch bei den einzelnen Ereignissen zeigte sich kein klares Warnsignal. In der Gruppe ohne Betablocker traten 27 Todesfälle auf, in der Gruppe mit fortgeführter Therapie waren es 39. Einen erneuten Herzinfarkt erlitten 25 beziehungsweise 23 Patienten. Wegen Herzinsuffizienz mussten 16 beziehungsweise 20 Patienten stationär behandelt werden.
Neben den klinischen Ereignissen betrachteten die Autoren auch Parameter, die für die praktische Einordnung wichtig sind. Dazu gehörten u. a. die linksventrikuläre Ejektionsfraktion und die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Hier fanden sich keine Hinweise darauf, dass sich die Herzfunktion oder das Befinden nach dem Absetzen verschlechterten.
Blutdruck und Herzfrequenz stiegen nach dem Absetzen etwas an. Das war zu erwarten, weil Betablocker genau diese Werte senken.
Die Studie spricht dafür, die Betablockertherapie nach einem Herzinfarkt bei länger stabilen Patienten ohne Herzinsuffizienz im Verlauf gezielt zu überprüfen. Wenn keine Herzinsuffizienz, keine deutlich eingeschränkte Pumpfunktion und kein anderer klarer Grund für den Betablocker vorliegen, kann ein Absetzen eine vertretbare Option sein.
Praktisch relevant ist das vor allem dann, wenn es keinen anderen klaren Grund für den Betablocker gibt – etwa eine Herzinsuffizienz, eine deutlich reduzierte Pumpfunktion, bestimmte Rhythmusstörungen oder eine weiterhin benötigte Blutdruckkontrolle. In solchen Fällen sollte nicht allein der frühere Herzinfarkt darüber entscheiden, ob die Therapie dauerhaft fortgeführt wird. Stattdessen lohnt sich eine gezielte Überprüfung: Was spricht aktuell noch für den Betablocker, welche Nebenwirkungen bestehen, und welche Risiken hätte ein Absetzen?
Die Autoren betonen zugleich mehrere Limitationen der Studie. Sie wurde ausschließlich in Südkorea durchgeführt, der Frauenanteil war mit knapp 13 % gering und Patienten mit Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder deutlich reduzierter Pumpfunktion waren ausgeschlossen. Zudem lag der Herzinfarkt bei vielen Teilnehmern bereits mehrere Jahre zurück. Auch liefert die Studie keine Informationen dazu, ab welchem Zeitpunkt genau ein Therapieende möglich bzw. sicher ist.