Langzeitfolgen der Affenpocken: Narben, Inkontinenz und Probleme beim Sex?

Welche Beschwerden bleiben langfristig nach einer durchgemachten Affenpocken-Infektion zurück? Eine US-Studie ging dieser Frage vor dem Hintergrund der Erkrankungswelle von 2022 nun nach.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Langzeitfolgen nach Mpox

  • 11 bis 18 Monate nach Mpox hatten 58 % der Betroffenen noch körperliche Langzeitfolgen. Meist handelte es sich um sichtbare Veränderungen wie Pigmentstörungen oder Narben; funktionelle Einschränkungen waren deutlich seltener.
  • Unter den Patienten mit funktionellen Folgen hatte die Hälfte anorektale Funktionsstörungen wie Schwierigkeiten bei der Stuhlentleerung oder Stuhlinkontinenz. 35 % berichteten über erschwertes Wasserlassen oder Harninkontinenz.
  • Soziale und sexuelle Folgen hielten bei einem Teil der Betroffenen an. Psychische Veränderungen wie depressive Symptome oder Interessenverlust traten dagegen nicht eindeutig häufiger auf als bei Personen ohne frühere Mpox-Erkrankung.
  • Größere, ineinander übergehende Hautläsionen ab 2 cm während der akuten Erkrankung waren mit einem höheren Risiko für langfristige körperliche Folgen verbunden.

Untersucht wurden 154 Erwachsene, deren laborbestätigte Mpox-Erkrankung im Median 15 Monate zurücklag. Anhaltende körperliche Folgen wurden anhand der Krankengeschichte, der Krankenakten und einer körperlichen Untersuchung erfasst. Zudem wurden die Teilnehmer zu psychischen, sozialen und sexuellen Veränderungen befragt. Zum Vergleich wurden 201 Personen ohne frühere Mpox-Diagnose aus derselben Risikopopulation befragt, etwa weil sie für eine HIV-Präexpositionsprophylaxe infrage kamen oder bei bestehender HIV-Infektion kürzlich eine andere sexuell übertragbare Infektion gehabt hatten.

Pigmentstörungen und Narben blieben bei vielen zurück

Während sich psychische und verhaltensbezogene Veränderungen zwischen den Mpox-Betroffenen und der Kontrollgruppe insgesamt nur wenig unterschieden, waren körperliche Langzeitfolgen bei vielen noch nachweisbar. Am häufigsten blieben äußerlich sichtbare Veränderungen zurück: 56 % hatten Pigmentstörungen, Narben oder andere Veränderungen des Erscheinungsbildes. Meist war deren Ausmaß jedoch begrenzt: Bei gut der Hälfte der Personen waren höchstens zwei Körperstellen betroffen.

Probleme bei Stuhlgang und Wasserlassen

Funktionelle Einschränkungen waren deutlich seltener und betrafen 13 % der Teilnehmer. Am häufigsten waren anorektale Beschwerden: Die Hälfte der Betroffenen hatte Schwierigkeiten bei der Stuhlentleerung oder eine Stuhlinkontinenz. 35 % berichteten über erschwertes Wasserlassen oder Harninkontinenz. Jeweils 15 % hatten Bewegungseinschränkungen, neurologische Beeinträchtigungen, Probleme bei Aktivitäten des täglichen Lebens oder anhaltende Müdigkeit beziehungsweise Gewichtsverlust; 10 % litten unter chronischen Schmerzen.

Bei wenigen Personen waren die Folgen so ausgeprägt, dass weitere Behandlungen nötig waren: Drei Studienteilnehmer benötigten nach der akuten Erkrankung einen operativen Eingriff, unter anderem wegen einer Kontraktur oder einer perianalen Fissur. Zudem waren drei Probanden weiterhin auf Hilfsmittel wie einen Rollstuhl oder einen Gehstock angewiesen.

Sichtbare Folgen belasteten soziale Kontakte und Sexualität

Auch über die körperlichen Beschwerden hinaus wirkten die Folgen der Erkrankung bei einem Teil der Betroffenen nach. Fast die Hälfte berichtete über anhaltende Beeinträchtigungen des Soziallebens, 19 % über Probleme beim Sex und 6 % über Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Arbeit. Dabei spielten Art und Ausmaß der körperlichen Folgen eine Rolle: Personen mit sichtbaren Veränderungen berichteten häufiger über anhaltende Probleme im Sozialleben. Bestanden funktionelle Langzeitfolgen, waren sexuelle Beschwerden besonders häufig: 60 % berichteten über anhaltende Beeinträchtigungen, verglichen mit 13 % der Patienten ohne funktionelle Folgen.

Größere Hautläsionen erhöhten das Risiko für Spätfolgen

Untersucht wurde außerdem, welche Merkmale der akuten Erkrankung mit späteren körperlichen Folgen zusammenhingen. In der multivariablen Analyse blieb nur ein Zusammenhang statistisch signifikant: Personen mit ineinander übergehenden Läsionen von mindestens 2 cm hatten ein höheres Risiko für langfristig sichtbare Folgen.

Fazit

Nach Ansicht der Autoren sollten insbesondere Personen mit größeren Hautläsionen während der akuten Erkrankung im weiteren Verlauf aufmerksam beobachtet werden. Bei Läsionen ab 2 cm halten sie auch eine frühzeitige dermatologische Mitbeurteilung für sinnvoll, um langfristige Narben möglicherweise zu begrenzen. Darüber hinaus können nach einer Mpox-Erkrankung neben körperlichen Beschwerden auch soziale, berufliche und sexuelle Beeinträchtigungen fortbestehen. Empfohlen wird daher unter anderem, auf Einschränkungen des sozialen oder beruflichen Lebens zu achten und bei Bedarf weitere Unterstützung anzubieten.

Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf alle Mpox-Patienten übertragen: Die meisten Teilnehmer waren ambulant behandelt worden, schwerere Verläufe waren daher nur begrenzt vertreten. Zudem war die Stichprobe für manche Analysen klein. Die Studie könnte die tatsächliche Häufigkeit langfristiger Folgen deshalb sowohl über- als auch unterschätzt haben.

Quelle
  1. Cholli PA, Zucker J, Vigil KJ, et al. Long-Term Mpox Sequelae 11 to 18 Months After Acute Illness: A Cohort Study in Two U.S. Cities. Ann Intern Med. 2026;179:362-371. Epub 20 January 2026. doi: 10.7326/ANNALS-25-00036 (letzter Zugriff: 26.10.2026).