Ihr Wegweiser durch den Kongress „Gesundheit gestalten“ 2026

Vom 30. September bis 2. Oktober 2026 findet in Göttingen der Kongress zur deutschen Primärversorgung und evidenzbasierten Medizin statt. Das diesjährige Leitthema: „Gesundheit gestalten – Gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“.

Die großen Plenarsitzungen

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) wird der diesjährige Kongress erstmals gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), dem Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) ausgerichtet. 

Die Keynotes bieten den Blick auf das große Ganze und fassen die übergeordneten Entwicklungen in Versorgung, Forschung und Gesellschaft zusammen.

  • Keynote 1 (EbM-Netzwerk): Evidence-Based Medicine at 30 (Mittwoch, 30. Sept., 12:30 - 14:00 Uhr)
    • Carl Heneghan (Oxford) reflektiert in seinem Vortrag über 30 Jahre evidenzbasierte Medizin. Er beleuchtet zentrale Erfolge wie mehr Transparenz, aber auch anhaltende Herausforderungen und die Lücke zwischen Evidenzgenerierung und Versorgungspraxis.
    • Im Rahmen dieser Sitzung werden zudem der David-Sackett-Preis und der EbM-Journalistenpreis verliehen.
  • Keynote 2 (DGSMP): Connected or chained? Adolescent mental health in a digital era (Mittwoch, 30. Sept., 16:15 - 17:45 Uhr)
    • Silja Kossola (Helsinki) widmet sich den fundamentalen Auswirkungen von Social Media auf die psychische Gesundheit und die Gehirnentwicklung von Jugendlichen. Sie diskutiert potenzielle Gefahren unter den vier Mechanismen „Content, Contact, Conduct and Contract“.
  • Keynote 3 (DGMS): Speaking up in healthcare (Donnerstag, 1. Okt., 14:15 - 15:45 Uhr)
    • Graham Martin beleuchtet die Dynamiken von „Staff Voice“ im Gesundheitswesen. Er analysiert, was medizinisches Personal daran hindert, Bedenken und Ideen zur Verbesserung der Pflege zu äußern, und wie Organisationen diese wertvolle Ressource besser nutzen können.
  • Keynote 4 (DEGAM): Gesundheit gestalten – zwischen Medizinoverkill, verpasster Verhältnisprävention und verschleppten Reformen (Freitag, 2. Okt., 11:00 - 12:00 Uhr)
    • DEGAM-Präsident Martin Scherer diskutiert den Stau substantieller Systemreformen im deutschen Gesundheitswesen und die Risiken von Überdiagnostik. Er plädiert für eine konsequente Orientierung an wissenschaftlicher Evidenz sowie für ein starkes, hausärztlich geleitetes Primärversorgungssystem.

Brennpunkt Praxis: Aktuelle und zukünftige Herausforderungen

  • Umgang mit Anfragen nach Suizidassistenz in Deutschland (Mittwoch, 30. Sept., 12:30 - 14:00 Uhr)
    • Seit dem BVerfG-Urteil von 2020 stehen Ärzte vor großen Freiheiten, aber auch Unsicherheiten beim Thema Suizidassistenz.
    • Dieses Symposium bietet empirische Einblicke aus einer qualitativen Interviewstudie mit Hausärzten (HAPASS) und diskutiert die schwierige Überprüfung der Freiverantwortlichkeit.
    • Zudem werden die Key Messages der DEGAM S1-Handlungsempfehlung sowie erste Inhalte der in Entwicklung befindlichen interdisziplinären S2k-Leitlinie vorgestellt.
  • Hitzeresiliente Gesundheitsversorgung (Mittwoch, 30. Sept., 14:15 - 15:45 Uhr)
    • Hitze wird in Deutschland als zunehmendes medizinisches und ökonomisches Gesundheitsrisiko betrachtet. Es werden Ergebnisse des HIRGEV-Projekts präsentiert, darunter die Risikomodellierung für Mortalität und Morbidität anhand von Krankenkassendaten von über acht Millionen Versicherten. Zudem geht es um die Entwicklung eines Vulnerabilitätsindex und die strukturierte Vorbereitung von Kommunen sowie Einrichtungen des Gesundheitswesens auf Extremhitze.

Nachwuchssicherung und ärztliche Ausbildung

  • Landarztquoten als Baustein der hausärztlichen Nachwuchssicherung (Freitag, 2. Okt., 12:45 - 14:15 Uhr)
    • Ein hochaktuelles Symposium bündelt den Forschungsstand zu den in vielen Flächenländern eingeführten Landarztquoten (LAQ).
    • Präsentiert werden unter anderem Daten zu Studienleistungen, Erfahrungen aus qualitativen Interviews in Bayern sowie Förderkonzepte wie „Fit fürs Medizinstudium“ für Studierende der Landarztquote.
  • Ausbildung der MFA in der Praxis – eine Teamaufgabe (Mittwoch, 30. Sept., 14:15 - 15:45 Uhr)
    • Dieser interaktive Workshop erarbeitet konkrete Maßnahmen und Umsetzungsempfehlungen zur Gewinnung und zum Halten von MFA-Auszubildenden.

Interdisziplinäre Schnittstellen und Patienten im Fokus

  • Prävention bei KHK (Donnerstag, 1. Okt., 16:15 - 17:45 Uhr)
    • Neben gesundheitspolitischen Strategien und Potenzialen der zielgerichteten Prävention widmet sich diese Sitzung dem anhaltenden Tabakkonsum und der Motivation zum Aufhören bei KHK-Patienten.
  • Ärzteinnen/Patientinnen mit Migrationshintergrund in Aus-, Weiterbildung und Forschung (Freitag, 2. Okt., 09:00 - 10:30 Uhr)
    • Hier werden innovative Ansätze wie das interkulturelle Wahlfach „Migrant health“ sowie qualitative Studien zu Integrationsprozessen und Herausforderungen ausländischer Ärzte im deutschen Gesundheitssystem vorgestellt. Ein weiterer Fokus liegt auf den spezifischen Barrieren und Unterstützungsstrategien bei der Darmkrebsvorsorge für Menschen mit Migrationsgeschichte.
  • Palliativmedizinische Versorgung/onkologische Nachsorge (Freitag, 2. Okt., 09:00 - 10:30 Uhr)
    • Die Vorträge dieser Sitzung beleuchten die Palliativversorgung im ländlichen Raum (am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern) und analysieren regionale Unterschiede bei der Inanspruchnahme am Lebensende.
    • Außerdem wird die Lebensqualität von Melanom-Patienten in der Nachsorge sowie der Nutzen von Berufslotsen bei der Wiedereingliederung nach einer Krebserkrankung thematisiert.

Wichtige Eckdaten auf einen Blick

  • Termin: 30.09.2026 – 02.10.2026
  • Ort: Georg-August-Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
  • Zertifizierung: 6 Punkte pro Tag
  • Workshops: Eine Teilnahme an den Workshops ist nur mit vorheriger Anmeldung möglich.

Dieser Überblick stellt nur eine erste Auswahl aus dem reichhaltigen Programm des Kongresses dar. Wir laden Sie herzlich ein, sich Ihre persönliche Agenda für eine erkenntnisreiche und inspirierende Zeit in Göttingen zusammenzustellen!

Quelle
  1. https://kongress-gesundheit-gestalten.de/