- Klugherz LJ, Mansukhani MP, Kolla BP. Effects of Commonly Prescribed Medications on Sleep: A Review of the Literature. Mayo Clin Proc. 2025;100(5):856–867.
Unter den Antihypertensiva werden Betablocker als jene Klasse hervorgehoben, die am ehesten mit schlafbezogenen Nebenwirkungen verbunden ist: Eine große systematische Metaanalyse berichtet, dass Betablocker wahrscheinlich Fatigue und Somnolenz erhöhen und möglicherweise auch Schlaflosigkeit, ungewöhnliche Träume und andere Schlafstörungen fördern. Interessanterweise sollen manche Wirkstoffe stärker mit Albträumen assoziiert sein als andere: So traten laut einer Studie unter Metoprolol, Propranolol und Pindolol häufiger Albträume auf als unter Atenolol, Carvedilol oder Labetalol.
Diuretika hingegen können sowohl positiv als auch negativ auf den Schlaf wirken: So sollen sie bei obstruktiver Schlafapnoe (insbesondere bei Spironolacton) die nächtliche Sauerstoffsättigung verbessern. Problematisch ist dagegen die weit verbreitete Nykturie unter diuretischer Therapie: In einer prospektiven Kohorte empfand etwa jeder siebte Patient Nykturie als schwere Belastung.
Vereinzelt, aber selten (unter 2%) wird in Nebenwirkungsanalysen zwar von Insomnie oder Albträumen berichtet. Im Allgemeinen werden Statine insgesamt als weitgehend schlafneutral beschrieben.
Antidepressiva können – je nach Wirkstoff und Dosierung – sowohl positiv als auch negativ auf den Schlaf wirken. In einer großen Netzwerk-Metaanalyse (216 Studien; 21 Substanzen) waren viele Wirkstoffe gegenüber Placebo sowohl mit Somnolenz als auch mit Insomnie assoziiert:
Manche Antidepressiva wie z. B. Mirtazapin und Venlafaxin können auch das Risiko für Restless-Legs-Symptome bzw. periodische Beinbewegungen erhöhen.
Levothyroxin hat nach aktuellem Wissensstand keinen Effekt auf die Schlafqualität; zur Einnahmezeit wird eine Studie erwähnt, in der die abendliche Einnahme die Schilddrüsenwerte gegenüber der morgendlichen Gabe verbesserte. Spezifische Schlafendpunkte wurden dabei zwar nicht systematisch erfasst, insgesamt schien die Abendgabe in der Regel gut verträglich: In einer Nachbefragung ein Jahr nach der Studie bevorzugte mehr als die Hälfte der Teilnehmer weiterhin die Einnahme zur Nacht.
Mehrere Studien zeigen, dass Protonenpumpeninhibitoren (PPI, z. B. Esomeprazol, Omeprazol) refluxbedingte Schlafstörungen reduzieren und die Schlafqualität verbessern können.
Schlafbezogene Nebenwirkungen von PDE5-Hemmern sind insgesamt selten, es gibt jedoch Hinweise auf eine Verschlechterung von Parametern der obstruktiven Schlafapnoe. In einer kleinen Studie verschlechterten sich nach einer abendlichen Einmalgabe von 50 mg Sildenafil mehrere Schlafapnoe- und Sauerstoffparameter bei Männern mit schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Eine ähnliche Studie mit 10 mg Vardenafil zeigte allerdings keine negativen Einflüsse auf schlafbezogene Aspekte.
Insgesamt befürworten die Autoren, bei Patienten mit schwerer Schlafapnoe PDE5-Hemmer nicht unkritisch zu verordnen, sondern zuvor eine bestehende obstruktive Schlafapnoe abzuklären bzw. die Behandlung zu optimieren.
Das Antidiabetikum Metformin, das off-label u. a. auch beim polyzystischen Ovarialsyndrom zum Einsatz kommt, gilt insgesamt als schlafneutral bis vorteilhaft: einzelne Studien deuten auf längere Schlafdauer bzw. bessere Schlafqualität hin, andere finden keine Unterschiede bei Ein- oder Durchschlafproblemen zwischen unbehandelten und Metformin-behandelten Patienten mit Typ-2-Diabetes.
Eine Untersuchung ergab, dass bei Jugendlichen mit polyzystischem Ovarialsyndrom die Metformin-Einnahme mit weniger nächtlichen Schlafstörungen und tagsüber weniger Schläfrigkeit einhergehen könnte. Die Autoren schlussfolgern: Es ist mehr Evidenz erforderlich, um den möglicherweise positiven Effekt von Metformin auf den Schlaf zu bestätigen.
Schlafbeschwerden sind nicht nur ein eigenständiges Symptom, sondern können auch mit der Medikation zusammenhängen. Die Übersichtsarbeit macht deutlich, dass bei typischen Konstellationen – etwa unter Betablockern, bestimmten Antidepressiva oder bei Diuretika mit Nykturie – die Dauermedikation als Mitfaktor mitgedacht werden sollte. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Polypharmazie und der häufigen Schlafproblematik in der ärztlichen Praxis ist dieser Blick auf mögliche arzneimittelbezogene Einflüsse besonders relevant.