Das Wichtigste auf einen Blick zu vaginalem Estradiol nach Schlaganfall
- Untersucht wurden niedrig dosierte vaginale Estradioltabletten mit 10 bzw. 25 µg.
- Frauen, die vaginale Estradioltabletten nutzten, hatten nicht häufiger ein Schlaganfallrezidiv als Frauen ohne diese Behandlung.
- Das galt sowohl für eine aktuelle Anwendung in den letzten 3 Monaten als auch für eine frühere Anwendung.
- Auch bei einer aktuellen Wochendosis von ≥ 50 µg Estradiol zeigte sich kein Hinweis auf mehr erneute Schlaganfälle.
Für die Studie nutzten die Autoren dänische Gesundheitsregister. Eingeschlossen wurden Frauen ab 45 Jahren, die zwischen 2008 und 2017 erstmals einen ischämischen Schlaganfall erlitten hatten.
Analysiert wurden schließlich die Daten von 34.274 Frauen. Bei 3.353 kam es während der Nachbeobachtung zu einem erneuten ischämischen Schlaganfall. Diese Patientinnen wurden mit Kontrollpersonen gleichen Geburtsjahrs verglichen, die bis zu diesem Zeitpunkt kein Rezidiv erlitten hatten.
Die Anwendung von vaginalem Estradiol wurde über eingelöste Rezepte erfasst. Untersucht wurde die Nutzung von vaginalen Estradioltabletten, die in Dänemark den größten Teil der vaginalen Estrogentherapie ausmachen. Die Tabletten enthielten 10 bzw. 25 µg Estradiol. Estrogencremes wurden in diesem Kontext nicht untersucht.
Die Autoren unterschieden zwischen aktueller Anwendung in den letzten 3 Monaten, zurückliegender Anwendung innerhalb von 3 bis 24 Monaten und früherer Anwendung vor mehr als 24 Monaten. Zusätzlich teilten sie die aktuelle Anwendung nach der geschätzten Wochendosis ein: unter 50 µg Estradiol pro Woche oder mindestens 50 µg pro Woche.
Kein Anstieg erneuter ischämischer Schlaganfälle
In der bereinigten Analyse war die aktuelle Anwendung vaginaler Estradioltabletten nicht mit mehr Rezidivschlaganfällen verbunden (adjustierte HR 0,79; 95-%-KI 0,52–1,20). Auch bei einer Anwendung, die 3 bis 24 Monate zurücklag, fand sich kein erhöhtes Risiko. Für eine länger zurückliegende Anwendung ergab sich zwar numerisch eine höhere adjustierte HR von 1,48, statistisch gesichert war dieser Unterschied aber nicht.
Wichtig für die Praxis ist die Dosisanalyse. Auch bei Frauen, die aktuell mindestens 50 µg Estradiol pro Woche verwendeten, zeigte sich kein Anstieg erneuter ischämischer Schlaganfälle. Gleiches galt bei einer Nutzung von unter 50 µg Estradiol wöchentlich.
Fazit
Die dänische Studie liefert wichtige Informationen für die Praxis: Niedrig dosierte vaginale Estradioltabletten waren bei Frauen mit früherem ischämischem Schlaganfall nicht mit einer höheren Rate an ischämischen Rezidivschlaganfällen assoziiert. Für Patientinnen mit urogenitalem Menopausensyndrom kann dies die Nutzen-Risiko-Abwägung erleichtern.
- Torp-Pedersen, C., Skaarup, K. G., Modin, D., Johansen, N. D., Biering-Sørensen, T., Højbjerg Lassen, M. C., Meaidi, A., Jensen, J. U. S., Eckert-Lind, C., Gislason, G., & Haddadan, K. G. (2025). Recurrent Ischemic Stroke and Vaginal Estradiol in Women With Prior Ischemic Stroke: A Nationwide Nested Case-Control Study. Stroke, 56(10), 2888–2894. https://doi.org/10.1161/STROKEAHA.125.050986.