Schützt Stillen auch langfristig vor Depressionen und Ängsten?

Stillen ist mit weniger postpartalen Depressionen assoziiert – doch gilt das auch ein Jahrzehnt später? Eine irische Langzeitstudie hat dies nun untersucht. Die Ergebnisse sind bemerkenswert, die Interpretation verlangt jedoch Vorsicht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Frauen mit Stillanamnese hatten 10 Jahre später seltener Depressionen oder Angststörungen.
  • Ähnliche Ergebnisse zeigten sich über den gesamten Zehnjahreszeitraum: Sowohl längeres ausschließliches Stillen als auch eine kumulative Stillzeit von mindestens zwölf Monaten oder das Stillen überhaupt waren mit einem geringeren Risiko für Depressionen und Angst verbunden.
  • Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, kann kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden.

Die Studie

Dass Stillen mit weniger postnataler Depression assoziiert ist, ist weitgehend bekannt. Als mögliche Erklärung werden unter anderem Laktationshormone wie Oxytocin diskutiert: Sie können Ängste verringern und die Bindung zwischen Mutter und Kind fördern. Stillen könnte sich also günstig auf die psychische Gesundheit auswirken. Umgekehrt ist aber ebenso denkbar, dass Frauen mit besserer psychischer Gesundheit eher stillen.

Was bisher weniger untersucht wurde, sind die langfristigen Zusammenhänge zwischen Stillen und mentaler Gesundheit der Frauen. Genau dieser Frage ist nun eine irische Langzeitstudie nachgegangen. Die Autoren untersuchten, ob Frauen mit Stillanamnese 10 Jahre später seltener unter Depressionen oder Ängsten litten.

Für die Analyse nutzten die Autoren Daten der irischen ROLO Longitudinal Cohort, einer Studie zur Ernährung in der Schwangerschaft. Für die aktuelle Auswertung lagen bei 168 Müttern vollständige Angaben zum Stillverhalten und zur psychischen Gesundheit der letzten zehn Jahre vor. Frauen, die zum Zeitpunkt der 10-Jahres-Untersuchung erneut schwanger waren oder stillten, wurden in der Analyse nicht berücksichtigt.

Zum Zeitpunkt der 10-Jahres-Untersuchung waren die Frauen im Mittel 42,4 Jahre alt. Alle waren zu Beginn der ursprünglichen ROLO-Longitudinal-Cohort-Studie mit ihrem zweiten Kind schwanger gewesen. Nach zehn Jahren hatten sie zwei bis fünf Kinder. Die Kohorte war wenig divers: Fast alle Teilnehmerinnen waren irischer Herkunft, und 63,1 % hatten zu Studienbeginn einen höheren Bildungsabschluss.

Stilldauer, Diagnosen und Medikamente

Stillverhalten und mentale Gesundheit wurden mittels Fragebogen erfasst. Die Frauen gaben an, ob sie jemals gestillt oder Muttermilch abgepumpt hatten; als positive Stillanamnese zählte bereits ein Zeitraum von mindestens einem Tag. Außerdem wurde erfasst, wie viele Wochen sie insgesamt voll gestillt hatten und wie viele Wochen Stillzeit insgesamt erreicht wurden, also auch mit zusätzlicher Säuglingsnahrung. Zusätzlich prüften die Autoren, ob die Frauen im Lauf ihres Lebens insgesamt mindestens zwölf Monate gestillt hatten.

Außerdem wurde erhoben, ob bei den Befragten eine Depression oder Angst diagnostiziert worden war oder ob sie Antidepressiva einnahmen. Ausgewertet wurden zwei Zeiträume: Depression oder Angst bei der 10-Jahres-Untersuchung sowie entsprechende Angaben während der gesamten Nachbeobachtung.

Weniger Depressionen und Angst bei Frauen mit Stillanamnese

Die Auswertung der Daten zeigte, dass von den 168 Frauen 72,6 % schon einmal gestillt hatten. Sie hatten im Median 5,5 Wochen voll gestillt. Rechnet man auch Phasen ein, in denen zusätzlich Säuglingsnahrung gegeben wurde, kamen sie im Median auf 30,5 Wochen Stillzeit. Insgesamt 37,5 % der Frauen hatten in ihrem Leben mindestens zwölf Monate gestillt.

Bei der 10-Jahres-Untersuchung litten 13,1 % der Frauen unter Depressionen oder Angst oder nahmen Antidepressiva ein. Betrachtet man den gesamten Zeitraum von zehn Jahren, waren insgesamt 20,8 % der Frauen betroffen.

In der Analyse war Stillen mit einer besseren psychischen Gesundheit assoziiert:

  • Frauen, die jemals gestillt hatten, hatten nach zehn Jahren ein geringeres Risiko für Depressionen und Angstzustände (OR 0,34; 95-%-KI 0,12–0,94; p = 0,04).
  • Auch über den gesamten Studienzeitraum hinweg war Stillen mit weniger Depressionen und Angstzuständen verbunden. Dies galt für Frauen, die überhaupt gestillt hatten (OR 0,40; p = 0,03), für eine längere Zeitspanne vollen Stillens (OR 0,98 pro Woche; p = 0,03) sowie für Frauen, die insgesamt mindestens zwölf Monate gestillt hatten (OR 0,38; p = 0,04).

Der Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung von Alter, körperlicher Aktivität und Alkoholkonsum bestehen.

Fazit

In dieser Studie war Stillen auch nach zehn Jahren mit weniger Depressionen und Angst verbunden. Ob Stillen selbst langfristig zur psychischen Gesundheit beiträgt, lässt sich daraus aber nicht sicher ableiten.

Die Autoren betonen, dass der Zusammenhang zwischen Stillen und mentaler Gesundheit wahrscheinlich auf mehreren Aspekten beruht. Soziale und kulturelle Faktoren, die gesundheitliche Vorgeschichte und die psychische Situation der Frauen können sowohl das Stillverhalten als auch die Prävalenz von Depressionen und Angst beeinflussen. Zudem können Frauen mit Depressionen oder Angststörungen in der Vorgeschichte eher Schwierigkeiten haben, überhaupt oder länger zu stillen.

Trotz der kleinen und wenig diversen Kohorte ist die Arbeit interessant, weil sie auf Daten aus einer 10-jährigen Nachbeobachtung beruht. Größere Studien müssen nun klären, ob sich dieser Zusammenhang bestätigt und welche Mechanismen dahinterstecken.

Quelle
  1. McNestry C, O’Reilly SL, Twomey PJ, et al. Breastfeeding and later depression and anxiety in mothers in Ireland: a 10-year prospective observational study. BMJ Open 2026;16:e097323. doi: 10.1136/bmjopen-2024-097323.