Ihr Wegweiser durch den DGfI-Kongress 2026

Vom 15. bis 18. September 2026 tagt die DGfI in München. Wir haben die Kongress-Highlights mit dem größten Mehrwert für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Hausarztpraxis zusammengefasst.

Reproduktive Immunologie: Schwangerschaft im Fokus

Gleich mehrere Beiträge widmen sich immunologischen Prozessen rund um Schwangerschaft und Geburt, ein Themenfeld mit direkter Relevanz für die gynäkologisch-geburtshilfliche Praxis.

Zervixkarzinom und HPV-assoziierte Immunologie

Ein eigener thematischer Block widmet sich onkoimmunologischen Fragestellungen mit direktem Bezug zur gynäkologischen Onkologie.

  • Poster Session – Cytokines, Mediators, and Metabolites (Donnerstag, 17. September, 13:30 – 15:00 Uhr, Immatrikulations-Hall & Foyer 0604): Unter Vorsitz von Vigo Heissmeyer zeigt Moritz Schäfer, dass strahlen- und chemostrahlentherapie-bedingte Zytokin- und Chemokinprofile von Zervixkarzinom-assoziierten Fibroblasten durch Th17-Zellen in CXCL11-abhängiger Weise verändert werden und dadurch das Fortschreiten des Zervixkarzinoms begünstigen. Selina Gies ergänzt, dass Th17-Zellen die Migration und Invasivität von Zervixkarzinomzellen unter Hypoxie in IGF2BP2-abhängiger Weise fördern. Maaweya Awadalla beleuchtet zudem das Zusammenspiel zwischen Immunität und Onkogenen im Tumormikromilieu des HPV-assoziierten Zervixkarzinoms.

Allergologie und Dermatoimmunologie

Bereits am Kongress-Auftakt erwartet allergologisch interessierte Kolleginnen und Kollegen ein eigenes Satellitensymposium, ergänzt durch vertiefende Sitzungen im weiteren Kongressverlauf.

  • Satellite Symposium 3 – Targeting Allergy (Dienstag, 15. September, 09:00 – 12:10 Uhr, N1189): Unter der Leitung von Wolfgang Pfützner und Melanie Albrecht eröffnet Edzard Spillner mit einem Vortrag zu Nanobodies in der Allergie. Besonders praxisrelevant: Safaa Bouheraoua berichtet, dass eine nasale Staphylococcus-aureus-Kolonisation bei Patienten mit atopischer Dermatitis unter Dupilumab-Behandlung häufig beobachtet wird. Weitere Vorträge behandeln IgE-Vakzine (Laurent Reber), das Targeting von Mastzellen (Stefan Frischbutter) sowie chronische Urtikaria von Endotypen bis zu Pathomechanismen (Sophie Hermann).
  • Main Session 3 – Immunity in the Skin (Mittwoch, 16. September, 08:30 – 10:15 Uhr, N1189): Unter Vorsitz von Tilo Biedermann eröffnet Constanze Jakwerth mit einem Vortrag darüber, wie Early-Life-Nasotypen distinkte mukosale Immunzustände definieren, die mit Asthma-Trajektorien assoziiert sind. Christina Zielinski widmet sich der Regulation gewebsresidenter T-Zellen im gesamten Körper, während Michel Gilliet Typ-I-Interferone in Hautimmunität und Autoimmunität beleuchtet (Georg Gasteiger: Reorganisation der Hautlymphozyten-Nische durch Infektion und Entzündung).
  • Workshop 6 – Allergy and Hypersensitivity (Mittwoch, 16. September, 13:30 – 15:20 Uhr, N1095): Geleitet von Wolfgang Pfützner und Melanie Albrecht zeigt Abdelrahman Elwy, wie Typ-I-Interferon Monozyten für eine IgG-vermittelte Anaphylaxie während einer Virusinfektion lizenziert. Daniel Radtke präsentiert Daten dazu, dass die Aktivierung von STAT6 in Keratinozyten ausreicht, um Entzündung, S.-aureus-Kolonisation und Aspekte der chronischen atopischen Dermatitis zu induzieren. Maike Hartmann schließt mit einem Beitrag darüber, wie LFA-1-defiziente regulatorische T-Zellen dendritische Zellen umprogrammieren und dadurch TH2-Antworten auslösen, die zu atopischer Dermatitis führen.

Autoimmunität und chronische Entzündung

Ein zentraler Programmschwerpunkt behandelt neue Mechanismen der Entzündungsregulation – von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung.

  • Main Session 2 – Immune Responses in Joints and Connective Tissues (Mittwoch, 16. September, 08:30 – 10:15 Uhr, N1179): Unter Vorsitz von Andreas Radbruch stellt Gerhard Krönke neue Kontrollpunkte vor, die Beginn und Auflösung von Entzündungen steuern. Eicke Latz beleuchtet die Arbeitsteilung von NLRP1 und NLRP3 bei der Gefahrenerkennung, während Christopher Buckley Fibroblasten als Hauptregulatoren der Entzündung diskutiert.
  • Workshop 13 – Autoimmunity, Chronic Inflammation, Clinical Immunology I (Donnerstag, 17. September, 10:30 – 12:20 Uhr, N1179): Unter Leitung von Ricardo Grieshaber-Bouyer zeigt Michael Dudek, dass IL-15-lizenzierte CD8-T-Zellen mit auto-aggressiver Funktion Gewebeschäden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verursachen. Für die dermatologische Praxis relevant: Huiying Liu berichtet, dass die Verhinderung der L-Plastin-Phosphorylierung in T-Zellen die Imiquimod-induzierte Psoriasis in Mäusen verbessert. Laura Rathjens zeigt zudem, wie Th2-Antworten bei atopischer Dermatitis durch multiple antimikrobielle Spezifitäten geprägt und durch eine Anti-IL4Ra-Therapie moduliert werden.

Kardiovaskuläre Immunologie

  • Main Session 5 – Cardiovascular Immunology (Donnerstag, 17. September, 08:30 – 10:15 Uhr, Audimax): Unter Vorsitz von Steffen Massberg beleuchtet Florian Leuschner den Einfluss von Herzklappenerkrankungen auf Entzündungsprozesse. Almudena Ramiro widmet sich autoreaktiven Antikörpern bei der Atherosklerose, Federica Marelli-Berg der kardialen Autoimmunität, und Michael Bader schließt mit einem Vortrag zu Hormonsystemen in der kardiovaskulären Immunologie.

Impfstoffe und Infektionsimmunologie: Relevanz für die Hausarztpraxis

  • Poster Session – Infectious Diseases (Donnerstag, 17. September, 13:30 – 15:00 Uhr, Immatrikulations-Hall & Foyer 0604): Unter Vorsitz von Stefanie Scheu präsentiert Rebecca Urschel praxisrelevante Daten dazu, dass die Immunogenität des monovalenten XBB.1.5-Impfstoffs durch eine Koadministration mit dem saisonalen Influenza-Impfstoff nicht beeinträchtigt wird, ein wichtiger Baustein für die Impfberatung im Praxisalltag. Maria Römbke berichtet zudem über Effekte der Varizellen-Impfung und -Infektion auf die VZV-spezifische zelluläre und humorale Immunität bei Kindern und jungen Erwachsenen im Impfzeitalter.

Systemimmunologie und Künstliche Intelligenz

Wer verstehen möchte, wohin sich die Immunologie methodisch entwickelt, findet in dieser Plenarsitzung wegweisende Impulse.

  • Plenary Session 1 – Systemimmunologie und AI (Mittwoch, 16. September, 10:30 – 12:00 Uhr, Audimax): Jan Baumbach stellt Network Medicine GPT als Foundation Model für Disease Mechanism Mining und Drug Repurposing vor. Joachim Schultze spricht über Systemimmunologie in der Hirngesundheit als neue Forschungsgrenze, bevor Fabian Theis mit generativer inverser Modellierung für die interventionelle Einzelzellbiologie abschließt.

Eröffnung und Nachwuchsförderung

Den feierlichen Auftakt bildet am Dienstagabend das President's Symposium (Dienstag, 15. September, 17:30 – 20:00 Uhr, Audimax) mit einem Festvortrag von Nobelpreisträger Shimon Sakaguchi sowie der Verleihung mehrerer renommierter Auszeichnungen, darunter der Deutsche Immunologie-Preis und der Georges-Köhler-Preis.

Bereits am Nachmittag gibt das Young Immunologists Symposium (Dienstag, 15. September, 15:25 – 17:10 Uhr, Audimax) dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Bühne – unter anderem mit einem Beitrag von Ioanna Gemünd zu zirkulierenden virusspezifischen CD8-T-Zellen als Sentinels für die intrahepatische antivirale Immunität bei akuter und chronischer Hepatitis B.

Dieser Überblick stellt nur einen ausgewählten Teil des wissenschaftlichen Programms des DGfI-Kongresses 2026 dar. Wir laden Sie herzlich ein, das vollständige Programm zu erkunden und Ihre persönliche Kongress-Agenda für die Tage in München zusammenzustellen.

Quelle:
  1. Annual Meeting of the DGfI 2026: https://www.immunology-conference.de/scientific-program/