Weniger Leberkomplikationen unter SGLT-2-Hemmern bei Fettleber?
Eine Kohortenstudie zeigt: Bei metabolisch assoziierter Fettlebererkrankung (MASLD) traten unter SGLT-2-Hemmern seltener schwere Leberkomplikationen auf als unter Glitazonen – jedoch nicht seltener als unter GLP-1-Rezeptoragonisten.
SGLT-2-Hemmer bei MASLD – das Wichtigste in Kürze
- Im direkten Vergleich mit ergab sich kein signifikanter Unterschied beim Risiko schwerer Leberkomplikationen und der Mortalität im Gesamtkollektiv.
- Gegenüber Glitazonen war das Risiko für hepatische Dekompensationen sowie für die leberbezogene und allgemeine Sterblichkeit unter SGLT-2-Hemmern deutlich geringer.
- Besonders Frauen und Patienten unter 65 Jahren profitieren vom Einsatz von SGLT-2-Hemmern.
In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden Erwachsene mit MASLD eingeschlossen, die zwischen 2014 und 2022 erstmals mit einem SGLT-2-Hemmer (Dapagliflozin, Empagliflozin, Ipragliflozin oder Ertugliflozin), einem GLP-1-Rezeptoragonisten (Dulaglutid, Lixisenatid, Liraglutid, Exenatid oder Albiglutid) oder einem Glitazon (Lobeglitazon oder Pioglitazon) behandelt wurden.
Der primäre Endpunkt war eine Kombination schwerer Leberkomplikationen: Aszites, Ösophagusvarizen mit Blutung, Leberversagen oder Lebertransplantation. Sekundäre Endpunkte umfassten die einzelnen Komponenten dieses Sammelendpunkts sowie die Sterblichkeit durch und die Gesamtsterblichkeit.
Insgesamt gingen 22.550 Patienten in den SGLT-2-vs-GLP-1-Vergleich und 191.628 in den SGLT-2-vs-Glitazon-Vergleich ein. Nach durchschnittlich 2,1 Jahren zeigten sich folgende Ergebnisse:
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SGLT-2-Hemmer vs. GLP-1-Rezeptoragonisten: Es gab keinen signifikanten Unterschied beim Risiko schwerer Leberkomplikationen (Hazard Ratio [HR] 0,93; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,76–1,14). Auch bei den sekundären Endpunkten – sowohl bei den einzelnen Komplikationen (z. B. Aszites, Leberversagen) als auch bei der Sterblichkeit – zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen.
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SGLT-2-Hemmer vs. Glitazone: Das Risiko für eine hepatische Dekompensation war unter SGLT-2-Hemmern signifikant geringer als unter Glitazonen (HR 0,77; 95 %-KI 0,72–0,82). Dieser Unterschied zeigte sich auch für die einzelnen Komponenten: z. B. Aszites (HR 0,75), Ösophagusvarizen mit Blutung (HR 0,77) und Leberversagen (HR 0,77). Zudem war sowohl die Sterblichkeit durch Lebererkrankungen (HR 0,61) als auch die Gesamtsterblichkeit (HR 0,73) unter SGLT-2-Hemmern signifikant niedriger als unter Glitazonen.
Subgruppen: Besonders Frauen und jüngere Patienten profitieren von SGLT-2-Hemmern
In den Subgruppenanalysen zeigte sich ein Alters- und Geschlechtseffekt:
- Bei Patienten unter 65 Jahren war das Risiko für Leberdekompensation unter SGLT-2-Hemmern im Vergleich zu GLP-1-RA signifikant geringer (HR 0,68), während bei älteren Patienten (≥ 65 Jahre) sogar ein erhöhtes Risiko beobachtet wurde (HR 1,37).
- Im Vergleich zu Glitazonen war die Risikoreduktion unter SGLT-2-Hemmern bei Frauen (HR 0,62) deutlich ausgeprägter als bei Männern (HR 0,87).
Diese Unterschiede waren statistisch signifikant. In Sensitivitätsanalysen blieben die Resultate stabil.
Relevanz für den Praxisalltag
Die Ergebnisse dieser großen Kohortenstudie stützen den Einsatz von SGLT-2-Hemmern zur Reduktion schwerer Leberkomplikationen bei Patienten mit MASLD, insbesondere im Vergleich zu Glitazonen. Gegenüber GLP-1-Rezeptoragonisten war im Gesamtkollektiv kein signifikanter Vorteil erkennbar – in der Subgruppe der Patienten unter 65 Jahren jedoch zeigte sich ein klarer Nutzen zugunsten der SGLT-2-Hemmer. Die Daten sprechen dafür, bei jüngeren und weiblichen Patienten mit metabolisch bedingter die Option SGLT-2-Hemmer in der Therapieplanung stärker zu berücksichtigen.
Es handelt sich um Real-World-Daten aus einer Beobachtungsstudie; kausale Aussagen sind daher nicht möglich. Weitere Studien, auch mit neueren GLP-1-Agonisten, sind erforderlich, um die optimale Therapie bei MASLD zu definieren.
- Bea S, Ko HY, Bae JH, Cho YM, Chang Y, Ryu S, Byrne CD, Shin JY. Risk of hepatic events associated with use of sodium-glucose cotransporter-2 inhibitors versus glucagon-like peptide-1 receptor agonists, and thiazolidinediones among patients with metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease. Gut. 2025 Jan 17;74(2):284-294. doi: 10.1136/gutjnl-2024-332687. PMID: 39242193; PMCID: PMC11874371.