Typ-2-Diabetes im Alter: mehr depressive Symptome und Einsamkeit?

Depressive Symptome, Einsamkeit, wenig Energie: Eine Auswertung des Robert Koch-Instituts hat untersucht, ob diese und weitere psychosoziale Belastungen bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger auftreten als bei Gleichaltrigen ohne Diabetes.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Typ-2-Diabetes und psychosozialen Belastungen:

  • Bei Menschen ab 65 Jahren mit Typ-2-Diabetes fanden sich häufiger depressive Symptome, Einsamkeit und wenig Energie als bei Gleichaltrigen ohne Typ-2-Diabetes.
  • Auch niedrige oder mittlere Lebenszufriedenheit und geringere Zufriedenheit mit dem eigenen Aktivitätsniveau kamen häufiger vor.
  • Nach Adjustierung bezüglich Alter, BMI und körperlichen Komorbiditäten blieb Typ-2-Diabetes unter anderem mit depressiven Symptomen, wenig Energie und Einsamkeit assoziiert.

Für die Analyse nutzten die Autoren Daten der bevölkerungsbasierten Studie Gesundheit 65+ des Robert Koch-Instituts. Eingeschlossen wurden 3.547 Menschen ab 65 Jahren in Deutschland. Insgesamt gingen 12.514 Beobachtungen aus der Basiserhebung und drei Folgeerhebungen ein. Die Daten wurden zwischen Juni 2021 und April 2023 erhoben, überwiegend per Papierfragebogen. Die Autoren erfassten sechs psychosoziale Bereiche mit validierten Skalen: depressive Symptome, Einsamkeit, Energie, Lebenszufriedenheit, Zufriedenheit mit dem eigenen Aktivitätsniveau und wahrgenommene soziale Unterstützung.

Bei 722 Teilnehmern wurde ein Typ-2-Diabetes erfasst. Der Diabetesstatus wurde überwiegend per Selbstauskunft erhoben; bei einem Teil der Teilnehmer wurde zusätzlich die Einnahme von Diabetesmedikamenten berücksichtigt. Der Diabetes-Typ wurde nicht direkt erfasst, sondern anhand der vorliegenden Angaben als Typ 2 klassifiziert.

Mehr depressive Symptome, mehr Einsamkeit

Im direkten Vergleich waren alle sechs untersuchten psychosozialen Belastungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes signifikant häufiger.

  • Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes fanden sich häufiger depressive Symptome als bei Menschen ohne Typ-2-Diabetes: 15 % gegenüber 8 %.
  • Wenig Energie gaben 26 % der Teilnehmer mit Typ-2-Diabetes an, in der Vergleichsgruppe waren es 16 %.
  • Auch Einsamkeit war häufiger: 29 % gegenüber 21 %.
  • Zudem gaben Personen mit Typ-2-Diabetes häufiger eine geringe soziale Unterstützung an als Personen ohne Typ-2-Diabetes (24 % vs. 19 %).
  • Auch eine hohe Lebenszufriedenheit (62 % vs. 74 %) und Zufriedenheit mit dem eigenen Aktivitätsniveau (49 % vs. 62 %) waren bei Menschen mit Typ-2-Diabetes seltener.

Zusammenhänge bleiben auch nach Adjustierung bestehen

Anschließend berücksichtigten die Autoren mehrere mögliche Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Bildungsstatus, Adipositas, körperliche Aktivität sowie kardiovaskuläre und maligne Begleiterkrankungen.

Auch nach dieser Adjustierung blieben mehrere Zusammenhänge zwischen Typ-2-Diabetes und ungünstigeren psychosozialen Werten bestehen: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes waren die Odds für depressive Symptome um 60 % höher. Für niedrige oder mittlere Lebenszufriedenheit lag der Wert um 41 % höher, für wenig Energie um 37 % und für Einsamkeit um 31 %. Auch beim eigenen Aktivitätsniveau zeigte sich ein Zusammenhang; Menschen mit Typ-2-Diabetes gaben häufiger an, weder zufrieden noch unzufrieden zu sein.

Bei der wahrgenommenen sozialen Unterstützung änderte sich das Bild nach Einbezug der Begleiterkrankungen. Der zunächst beobachtete Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und geringer sozialer Unterstützung war dann nicht mehr statistisch signifikant.

Es fanden sich keine Hinweise darauf, dass sich die Zusammenhänge nach Geschlecht, Altersgruppe oder Erhebungszeitpunkt unterschieden.

Fazit

Die Studie zeigt, dass Typ-2-Diabetes bei älteren Menschen in Deutschland mit mehreren psychosozialen Belastungen assoziiert ist. Aus Sicht der Autoren sprechen die Ergebnisse dafür, psychosoziale Aspekte bei älteren Diabetikern regelmäßiger zu erfassen und bei Bedarf gezielt zu behandeln. Gleichzeitig bleibt wichtig: Die Studie zeigt Zusammenhänge, aber keine Kausalität. Ob Typ-2-Diabetes zu psychosozialen Problemen beiträgt, ob psychosoziale Belastungen den Diabetesverlauf beeinflussen oder ob beides zusammenwirkt, lässt sich mit dieser Auswertung nicht klären.

Quelle:
  1. Friederici L, Heidemann C, Birgel V, Gaertner B, Baumert J. Association between type 2 diabetes mellitus and psychosocial burdens in older adults in Germany: findings from the longitudinal Gesundheit 65+ study. BMJ Open Diabetes Research & Care. 2026;14:e006056. https://doi.org/10.1136/bmjdrc-2026-006056.