CGM im Direktvergleich: Gleiche Patienten, unterschiedliche Glukosewerte

Für Menschen mit Diabetes sind CGM-Werte die Grundlage täglicher Entscheidungen. Doch ein paralleler Praxistest zeigt: Darauf ist nicht immer Verlass. Im Zweifelsfall führt das zu unterschiedlichen Insulindosierungen. Wie verlässlich sind die Messungen?

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Drei gleichzeitig getragene CGM-Systeme lieferten bei denselben Patienten teils deutlich unterschiedliche Glukosekennzahlen.
  • Die Abweichungen betrafen nicht nur Mittelwerte im Gesamtkollektiv, sondern zeigten sich auch als klinisch relevante Unterschiede beim einzelnen Patienten.
  • Besonders deutlich fielen die Unterschiede zwischen Medtronic Simplera und den beiden anderen Systemen aus.
  • Auch unter gezielt ausgelöster Hypo- und Hyperglykämie reagierten die Systeme unterschiedlich.
  • Die Studie ist klein und die Beobachtungszeit kurz; die Ergebnisse sind für den Praxisalltag dennoch relevant.

In die Studie wurden 23 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes eingeschlossen, die über 14 Tage drei aktuelle Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung gleichzeitig trugen: FreeStyle Libre 3, Dexcom G7 und Medtronic Simplera. Für jeden Teilnehmer wurden die üblichen CGM-Kennzahlen für jedes System getrennt berechnet, darunter u. a. die Zeit im Zielbereich von 70 bis 180 mg/dL (Time in Range, TIR), die Zeit unter 70 mg/dL (Time below Range, TBR), die Zeit über 180 mg/dL (Time above Range, TAR), der mittlere Glukosespiegel und der aus den Sensordaten abgeleitete Glucose Management Indicator (GMI).

Schon im Gesamtvergleich deutliche Unterschiede

Die Auswertung der Daten zeigte, dass die drei Systeme bei denselben Personen nicht zu identischen Ergebnissen kamen. Dies wurde bereits in der zusammengefassten Analyse aller 23 Teilnehmer deutlich: Im Gesamtkollektiv lag die TIR unter FreeStyle Libre 3 bei 76,3 %, unter Dexcom G7 bei 76,2 % und unter Medtronic Simplera bei 84,0 %. Gleichzeitig lag die TBR bei 2,8 %, 4,2 % bzw. 5,1 % und die TAR bei 21,8 %, 19,6 % bzw. 10,5 %. Damit unterschieden sich die Systeme nicht nur bei hohen Werten, sondern auch bei der Einschätzung von Hypoglykämien.

Wie stark zeigten sich die Abweichungen?

Für die Praxis entscheidend ist auch, wie stark die Werte beim einzelnen Patienten auseinandergingen. Genau dafür haben die Autoren die Systeme paarweise verglichen. Ein Unterschied bei der Zeit im Zielbereich von mehr als 5 Prozentpunkten gilt hier als klinisch bedeutsam. Solche Unterschiede fanden sich bei 22 % der Teilnehmer zwischen FreeStyle Libre 3 und Dexcom G7, bei 74 % zwischen FreeStyle Libre 3 und Medtronic Simplera sowie bei 52 % zwischen Dexcom G7 und Medtronic Simplera.

Auch beim Glucose Management Indicator ergaben sich relevante Abweichungen. Ein Unterschied von mehr als 0,3 %, der ebenfalls als klinisch bedeutsam gewertet wurde, fand sich bei 22 % der Teilnehmer zwischen FreeStyle Libre 3 und Dexcom G7, bei 78 % zwischen FreeStyle Libre 3 und Medtronic Simplera sowie bei 61 % zwischen Dexcom G7 und Medtronic Simplera.

Abweichungen unter provozierter Hypo- und Hyperglykämie

Zusätzlich wurden drei kontrollierte Phasen mit gezielt ausgelöster Hypo- und Hyperglykämie durchgeführt. Auch hier reagierten die Systeme unterschiedlich. FreeStyle Libre 3 und Dexcom G7 zeigten ähnliche Verläufe, während Medtronic Simplera Hypoglykämien früher und Hyperglykämien später anzeigte. Das bedeutet: Je nach verwendetem System hätte bei derselben Person möglicherweise eine Therapieeskalation empfohlen werden können – oder eben nicht.

Wie belastbar sind die Daten?

Die Aussagekraft der Studie ist durch mehrere Punkte begrenzt. Zum einen war die Teilnehmerzahl mit 23 auswertbaren Personen klein, zum anderen war die Beobachtungszeit kurz. Hinzu kommt, dass die eingeschlossenen Patienten insgesamt gut eingestellt waren, sodass die erhobenen CGM-Kennzahlen wahrscheinlich ein engeres Spektrum abbilden als in der Gesamtpopulation von Menschen mit Typ-1-Diabetes. Die Autoren halten die Ergebnisse dennoch für praxisrelevant, weil das Studiendesign mit 14 Tagen Tragezeit und ein bis zwei Sensoren pro System dem klinischen Alltag vergleichsweise nahekommt.

Was folgt daraus für die Praxis?

Nach Einschätzung der Autoren beruhen die Unterschiede zwischen den CGM-Systemen vor allem auf uneinheitlichen Verfahren in Performance-Studien, insbesondere bei der Erhebung der Vergleichsdaten. Diese Unterschiede könnten sich sowohl auf den Praxisalltag als auch auf die Interpretation von Forschungsergebnissen auswirken: Beim selben Patienten können unterschiedliche Systeme das Selbstmanagement und die Insulindosierung beeinflussen. Studien mit verschiedenen CGM-Systemen sind nur eingeschränkt miteinander vergleichbar. Umso wichtiger ist eine standardisierte Bewertung der Systemgenauigkeit. Bis dahin sollten Kennzahlen verschiedener CGM-Systeme weder im klinischen Alltag noch in Studien direkt miteinander verglichen werden.

Quelle
  1. Freckmann G, Wehrstedt S, Eichenlaub M, Pleus S, Link M, Jendrike N, Öter S, Brandt D, Haug C, Waldenmaier D. A Comparative Analysis of Glycemic Metrics Derived From Three Continuous Glucose Monitoring Systems. Diabetes Care. 2025 Jul 1;48(7):1213-1217. doi: 10.2337/dc25-0129. PMID: 40198142; PMCID: PMC12178612.