Bimekizumab bei Psoriasis: Daten zu Disease Modification und Langzeitwirkung

Gewebeständige Gedächtnis-T-Zellen (TRM) treiben Psoriasis-Rezidive. Prof. Andreas Pinter stellte auf der FOBI 2026 Daten vor, wonach Bimekizumab diese Zellen gezielt reduziert – mit über fünf Jahre stabilem PASI-100-Ansprechen.

Pathogenese der Psoriasis  

Die Pathogenese der Psoriasis wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Immun- und Hautzellen aufrechterhalten, wie Prof. Andreas Pinter erläuterte. Im Zentrum steht die IL-23/IL-17-Achse, in der sich IL-23 und IL-17 wechselseitig verstärken und so die chronische Entzündung und die übermäßige Vermehrung von Hautzellen antreiben. Ausgangspunkt ist ein sich selbst verstärkender Feedbackloop: Dendritische Zellen setzen IL-23 frei, das adaptive Lymphozyten (z. B. Th17-Zellen) zur Produktion von IL-17A/A, IL-17A/F und IL-17F/F anregt. Diese Botenstoffe wiederum stimulieren Keratinozyten, wodurch es zu einer

Auch angeborene Immunzellen (γδ-T-Zellen, ILC3, MAIT-Zellen) können IL-23-unabhängig IL-17A/F produzieren und so zu einer IL-17-vermittelten Entzündung beitragen.

Wie wirkt Bimekizumab?

Bimekizumab inhibiert selektiv sowohl IL-17A als auch IL-17F – beides sind wesentliche Schlüsselfaktoren der Psoriasis-Pathogenese. Im Gegensatz dazu wirken weitere IL-17-Inhibitoren anders: Secukinumab/Ixekizumab hemmt nur IL-17A, Brodalumab hemmt den IL-Rezeptor (IL-17RA) für die Zytokin-Dimere IL-17A/A und IL-17A/F sowie für die Zytokine IL-17E und IL-17C. 

In einer explorativen Phase-2-Studie1 normalisierte Bimekizumab nach acht Wochen das Genexpressionsprofil läsionaler Haut in Richtung des Profils nichtläsionaler Haut. Außerdem zeigte sich eine signifikante Reduktion sowohl der IL-17A- als auch IL-17F-Expression sowie eine Normalisierung des Feedback-Loops: IL-36α, IL-36γ und IL-23 gingen unter der Bimekizumab-Therapie deutlich zurück.

Welche Rolle spielt das immunologische Gedächtnis bei der Chronifizierung? 

Bei der Chronifizierung der Psoriasis spielen gewebeständige Gedächtnis-T-Zellen (Tissue-resident memory T-cells = TRM) eine wichtige Rolle. In psoriatischen Läsionen werden CLA⁺CD4⁺- und CLA⁺CD8⁺-Gedächtnis-T-Zellen aktiviert und schütten IL-17A, IL-17F und IFN-γ aus. Diese Botenstoffe reizen die Hautzellen und lösen dort Entzündungen aus. Die gereizte Haut regt erneut die Gedächtnis-T-Zellen an, mehr Botenstoffe zu produzieren, und unterhält so einen pro-inflammatorischen Kreislauf.

Analysen dreier unabhängiger Einzelzell-Datensätze zeigten, dass etwa fünf Prozent der TRM-Zellen aus läsionalem Gewebe IL-17A/F exprimieren, diese aber überproportional zur Gesamt-IL-17-Produktion in T-Zellen beitragen. Der Erhalt dieser langlebigen TRM-Zellen wird über zwei Wege gesteuert: IL-23-vermittelt (Proliferation über dendritische Zellen) und IL-7R-vermittelt (durch Fibroblasten-sezerniertes IL-7).

IL-7R wird sowohl auf IL-17A- als auch besonders auf IL-17F-sezernierenden Zellen stark exprimiert. IL-7R sichert das Überleben dieser Zellen, indem es antiapoptotische Gene hochreguliert. Unter Bimekizumab sank die erhöhte IL-7R-Expression in Richtung des gesunden Niveaus. Entsprechend normalisierten sich sowohl die TRM-Gensignatur (mediane Verbesserung 78,1 % nach Woche 8; 87,7 % nach Woche 28) als auch die antiapoptotische Gensignatur (104,5 % bereits nach Woche 8). Diese molekularen Befunde spiegeln sich auch in der Langzeitwirksamkeit wider: Das PASI-100-Ansprechen blieb über fünf Jahre stabil (78,8 % in Jahr 1 vs. 76,9 % in Jahr 5). Nach dem Absetzen der Therapie betrug die mediane Zeit bis zum PASI-100-Verlust rund 24 Wochen. Das entsprach mehr als sieben Halbwertszeiten des Wirkstoffs.2

„Super-Response“-Analysen: Gibt es den Idealpatienten?

Gepoolte Daten aus verschiedenen Studien zeigten, dass 57,1 % bzw. 55,1 % der Bimekizumab-Patienten eine „Super-Response“ (SR = anhaltendes PASI 100) erreichten – etwas mehr als unter Guselkumab in separat publizierten Daten (40,8 % bzw. 34,4 %). Prof. Pinter wies jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse nur eingeschränkt vergleichbar seien, da sie aus verschiedenen klinischen Studien stammen. 

In der Subgruppenanalyse zeigte sich kein signifikanter Einfluss von Alter, Geschlecht, Krankheitsdauer, Schweregrad oder Vortherapie auf die SR-Rate – Ausnahme war das Körpergewicht zu Studienbeginn (SR-Rate 60,4 % bei ≤100 kg vs. 49,0 % bei >100 kg).

Fazit

Zusammengefasst zeigen die Daten: Bimekizumab supprimiert durch die duale IL-17A/F-Hemmung nicht nur die akute Entzündung, sondern greift über die Normalisierung von TRM- und antiapoptotischen Gensignaturen potenziell in die zelluläre Aufrechterhaltung der Erkrankung ein – und besitzt damit großes Potenzial für eine Krankheitsmodifikation. 

Quellen

30. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie, 06.–10.07.2026, München. https://fortbildungswoche.de/. Veranstaltung: Meet the Expert. Beyond Clearance: Bimekizumab auf dem Weg zur Disease Modification in der PSO, 09.07.2026.

  1.  Oliver, R. et al. Bimekizumab for the treatment of moderate-to-severe plaque psoriasis: efficacy, safety, pharmacokinetics, pharmacodynamics and transcriptomics from a phase IIa, randomized, double-blind multicentre study. Br J Dermatol. 2022 Apr;186(4):652-663. doi: 10.1111/bjd.20827. Epub 2021 Dec 27. PMID: 34687214; PMCID: PMC9303624.
  2. Krueger, JG et al. Bimekizumab long-term response in psoriasis: Mechanistic insights into efficacy level and durability. J Allergy Clin Immunol. 2026 Apr;157(4):905-916. doi: 10.1016/j.jaci.2025.12.1013. Epub 2026 Jan 22. PMID: 41580158.