Die kardiometabolischen Risikofaktoren spielen bei der Fettlebererkrankung eine zentrale Rolle, betonte Prof. Hofmann. Im Deutschen Fettleber-Register sind mittlerweile über 1.300 Patienten erfasst. Ein Blick ins Register zeigt, dass die schwerer erkrankten Patienten auch an Typ-2-Diabetes leiden. „Je mehr kardiometabolische Risikofaktoren, desto kränker auch die Leber“, so Hofmann.
Um Risikopatienten möglichst frühzeitig zu identifizieren, sollten Hausärzte und Diabetologen den FIB4-Score einsetzen. Mit der Eingabe von Basislaborwerten in den FIB4-Score lässt sich das Vorliegen einer Leberfibrose automatisiert abschätzen. Der FIB-4-Score ist schnell, einfach und kostengünstig einsetzbar und liefert gute negative prädiktive Werte für eine fortgeschrittene Fibrose.
- wahrscheinlich keine Fibrose: < 1,3
- undeterminiert: zwischen 1,3 und 2,67
- wahrscheinlich eine signifikante Fibrose: > 2,67
Zu den kardiometabolischen Risikofaktoren zählen Typ-2-Diabetes, Adipositas, Hypertonie, Hyperlipidämie und erhöhte Leberwerte.
Liegt eine Fibrose vor, wird mittels transienter Elastographie die Lebervernarbung abgeschätzt. Der zunehmende Wert der Lebersteifigkeit entspricht einem zunehmenden Stadium der Leberfibrose, von einer narbenfreien Leber bis hin zur Leberzirrhose. Liegt eine F2/F3-Fibrose vor, sollte eine medikamentöse Therapie erwogen werden. Bei Vorliegen einer Zirrhose ist eine HCC-Surveillance erforderlich (Ultraschall alle 6 bis 12 Monate).
Lebensstiländerungen – Basis der Therapie
Neben der Optimierung von Komorbiditäten stehen bei einer Fettlebererkrankung Lebensstilveränderungen an erster Stelle:
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Gewichtsreduktion: Um 7 bis 10 % des Körpergewichts, wobei 3 bis 5 % bereits Einfluss auf die Steatose haben. Studien zeigen, dass eine Gewichtsabnahme um 10 % den Rückgang einer F3-Fibrose in eine F2-Fibrose ermöglicht.
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Ernährung: Mediterrante Diät und Reduktion von Fruktose und Zucker (Softdrinks, Süßem und Fertigprodukten). Auch tierisches Fett und verarbeitetes Fleisch sollten reduziert werden, ebenso wie 2 bis 3 Tassen Kaffee täglich.
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Bewegung: 150 bis 300 min. Bewegung pro Woche; 10.000 Schritte pro Tag, Treppen statt Aufzug bzw. möglichst viel Bewegung in den Alltag integrieren.
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Genussmittel: Alkohol reduzieren und Rauchstopp
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Verhaltensmedizinische Unterstützung: Gruppenprogramme, digitale Tools und Apps zum Selbstmonitoring
Resmetirom – wann und für welche Patienten?
Seit August 2025 ist der selektive THR-β-Agonist Resmetirom für Patienten mit MASH und moderater bis fortgeschrittener Fibrose (F2/F3) in Kombination mit Diät und Bewegung zugelassen. Resmetirom aktiviert selektiv den in Hepatozyten exprimierten Schilddrüsenhormonrezeptor-β und fördert so den Abbau von Triglyceriden sowie die mitochondriale β-Oxidation der Fettsäuren in Hepatozyten. Die hepatische Steatose, die Steatohepatitis und die Leberfibrose sollen infolgedessen reduziert werden. Vor der Einführung von Resmetirom gab es keine medikamentöse Therapie für diese schwere Form der Fettlebererkrankung.
In einem Amendment zur S2k-Leitlinie der DVGS zur MASLD ist die Indikation wie folgt definiert: Patienten mit einer MASLD-assoziierten F2/F3-Fibrose und hohem Progressionsrisiko sollten mit Resmetirom in Kombination mit Lebensstilmodifikation und optimierter Therapie der Begleiterkrankungen behandelt werden. Während der Evaluation von Patienten für eine mögliche Resmetirom-Therapie soll geprüft werden, ob Lebensstilmodifikation und die Therapie der Begleiterkrankungen optimiert werden können. Die Dosierung ist abhängig vom Körpergewicht. Bei einem Körpergewicht unter 100 kg beträgt die empfohlene Dosierung 80 mg einmal täglich, bei einem Körpergewicht über 100 kg 100 mg einmal täglich. Die Therapieindikation wird mittels Elastographie gestellt, eine Biopsie ist nicht notwendig.
GLP-1-RA, SGLT2-Hemmer und duale Inkretinmimetika
Bei MASLD-Patienten mit Begleiterkrankungen ist also bei entsprechender Indikation der Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA), SGLT2-Hemmern oder dualen Inkretinmimetika als Standardtherapie in der klinischen Versorgung zu berücksichtigen und additiv möglich. Seit April 2026 ist Semaglutid unter dem Namen Kayshild für die medikamentöse Therapie der MASH-Stadien F2 und F3 zugelassen. In Studien erzielte das Präparat signifikante Erfolge bei der Auflösung der MASH und bei der Verbesserung der Fibrose. Eine Erstattungsfähigkeit besteht derzeit nicht, es handelt sich um eine Selbstzahlerleistung, betonte Hofmann.
Tirzepatid (GLP-1/GIP Co-Agonist) und Survodutid (GLP-1/Glukagon Co-Agonist) befinden sich in laufenden Phase-III-Studien. FGF-21-Analoga greifen wiederum später in der Pathogenese ein und koppeln die MASLD von Entzündung und Fibrose ab. Derzeit befinden sich die FGF-21-Analoga Efruxifermin und Pegozafermin laufenden Studien.
- Diabetes Kongress 2026. 13.-16. Mai 2026 City Cube Berlin. Sitzung: Spotlight on MASH – die neue Volkskrankheit? (Industrie: Madrigal Pharmaceuticals), 14. Mai 2026.
- Amendment: https://www.dgvs.de/leitlinien/leber-galle-pankreas/resmetirom-bei-masld/?digital=1