Schätzungen zufolge ist jede zehnte Frau in Deutschland vom Lipödem betroffen. Doch die Zahl der Kollegen, die eine fachgerechte operative Therapie beherrschen, ist gering. Prof. Taeger erklärt, warum Erwartungshaltung und reale Versorgungskapazität in Deutschland weit auseinanderklaffen.
Das Lipödem im Frühstadium lässt sich kaum objektivieren – es gibt keinen beweisenden Test. Warum die neue Leitlinie die klassischen Stadien zurückgenommen hat und weshalb gerade hier ärztliche Erfahrung und Zeit in der Sprechstunde unersetzlich bleiben, erläutert Prof. Taeger im Interview.
Symmetrische vs. asymmetrische Volumenzunahme, Blick auf Hände und Füße, Waist-to-Height-Ratio statt BMI: Prof. Taeger zeigt konkrete klinische Hilfsmittel, mit denen sich die drei Krankheitsbilder schnell und sicher voneinander abgrenzen lassen – inklusive der häufigen Mischbilder.
Standardempfehlungen wie „mehr Bewegung, weniger Gewicht“ greifen bei Lipödempatientinnen oft zu kurz – und können sogar schaden, wenn sie als Schuldzuweisung verstanden werden. Prof. Taeger plädiert für mehr Empathie und einen sensiblen Umgang mit dem Wechselspiel aus Lipödem, Adipositas und psychischer Belastung.
Eine fachgerechte Liposuktion kann Schmerzen und Bewegungseinschränkung deutlich reduzieren – wenn Erfahrung, Zeit und Technik stimmen. Prof. Taeger erläutert, welche Rolle Kompression postoperativ spielt, warum Lymphdrainage präoperativ kaum indiziert ist und wann konservative Maßnahmen wirklich noch nötig sind.