Diabetes und Psyche: Warum jeder zweite Patient mehr braucht als gute Blutzuckerwerte

Im Praxisalltag bleibt für psychosoziale Themen kaum Zeit. Prof. Kulzer erklärt, welche Red Flags Diabetologen nicht übersehen dürfen, und was Resilienz wirklich leisten kann.

Unterschätztes Risiko: Psychische Erkrankungen bei Diabetes

Menschen mit Diabetes haben rund doppelt so häufig Depressionen, Angststörungen und Essstörungen wie die Normalbevölkerung. Prof. Kulzer erläutert, warum diese Komorbiditäten nicht nur die Therapieumsetzung erschweren, sondern über erhöhte Inflammationswerte auch direkt die Lebenserwartung verkürzen.

Diabetes Distress und Resilienz: Risiko- und Schutzfaktoren

Erst mit der Diagnose steigt das Risiko für psychische Störungen – getrieben durch den sogenannten Diabetes Distress. Resilienz und soziale Unterstützung sind die wichtigsten Schutzfaktoren. Warum Schulung und Beratung gezielt resilienzfördernde Strategien vermitteln müssen, erklärt Prof. Kulzer im Interview.

Verantwortung, Schuld und Scham: Die Last der 24/7-Therapie

24 Stunden am Tag eigenverantwortlich therapieren – das ist Chance und Belastung zugleich. Prof. Kulzer zeigt, wie Schuld- und Schamgefühle entstehen, wenn die Werte nicht stimmen, und welche Rolle Resilienz dabei spielt, diesen Druck zu reduzieren.

Entlastung oder neue Belastung? Was Technologie wirklich bewirkt

Eine aktuelle DACH-weite Umfrage unter über 5.000 Menschen mit Diabetes zeigt: Über 80 % erleben moderne Technologien wie AID-Systeme als Entlastung. Gleichzeitig berichten 20–30 % von neuen Belastungen – allen voran Alarmfatigue, Technikabhängigkeit und Systemausfälle.

Was in jede Konsultation gehört: Screening, WHO-5 und Red Flags

Eine einfache Frage zu Beginn jeder Konsultation – „Wie geht es Ihnen?“ – wird oft übersprungen. Prof. Kulzer erklärt, warum der WHO-5-Fragebogen zum Standard gehören sollte, welche Red Flags Diabetologen frühzeitig erkennen müssen und wie der neue Diabetes-Coach der DDG gezielt unterstützen kann.