Noch vor zehn Jahren galt Diabetes als reine Erkrankung von Muskel, Leber und Fettgewebe. Heute ist klar: Das Gehirn entscheidet wesentlich mit, ob und wann ein Typ-2-Diabetes entsteht – und hormonelle Veränderungen spielen dabei eine zentrale Rolle.
Prof. Kullmann erläutert, wie der Hormonstatus – insbesondere im Übergang zur Postmenopause – die zentrale Insulinwirkung verändert. Die Folge: Insulinresistenz in der Peripherie und ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko im späteren Leben.
Studien deuten an, dass GLP-1-Rezeptoragonisten und intranasales Insulin bei Männern und Frauen unterschiedlich wirken – auch im Nebenwirkungsprofil. Warum die gängige Praxis, Geschlecht lediglich als Störfaktor zu adjustieren, künftig nicht mehr ausreicht, erklärt Prof. Kullmann im Interview.
Risikostratifizierung in hormonellen Übergangsphasen, veränderte Fettverteilung, unerkannter Prädiabetes bei Frauen: Prof. Kullmann zeigt, an welchen Stellen die Versorgung heute systematisch Lücken aufweist – und wo der Hebel für frühere Diagnosen liegt.
Neuroimaging bleibt vorerst Forschungswerkzeug. Doch das Ziel ist klar: Biomarker, die anhand einer Blutprobe zeigen, ob im Gehirn bereits eine Insulinresistenz vorliegt. Prof. Kullmann gibt einen Einblick in den aktuellen Stand und die nächsten Schritte.