Chirurgie + Orthopädie, Dermatologie, Anästhesiologie allgemein, Allgemeinmedizin

Tätowierung im OP-Gebiet - Komplikationen bei der Wundheilung? 60 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Liebe Kollegen,

Bei uns sind in letzter Zeit mehrere Patienten mit Bandscheibenvorfällen operiert worden, welche im Op-Bereich z. T. ausgiebige Tätowierungen, im umgänglichen Sprachgebrauch auch "Arschgeweihe", aufwiesen.
Wirken sich Tätowierungen nachteilig auf die Wundheilung aus?
Hat jemand Erfahrungen?

Mit freundlichen Grüßen

Abstimmungsergebnis


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Hallo!
Ich hab mal pubmed dazu durchsucht. Alle Studien, die ich in dem Kontext fand, befassten sich eher mit der Vermeidung der Zerstörung des tatoos als der verschlechterten Wundheilung.

ZB: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18437475

Das Fehlen irgendwelcher Ergebnisse (zumindest nach meiner Abfrage-Technik) suggeriert zumindest mir, daß solche Probleme noch niemandem aufgefallen sind, oder?
Aber obige Studie erwähnt zumindest den psychischen Stress, den ein verunstaltetes Tattoo für den Patienten darstellen kann.

Viele Grüße!


Bei frisch gestochenen Tattoos ist besondere Vorsicht geboten, bei bereits länger bestehenden sehe ich keinen Grund zur Besorgnis. Der Wundheilungsprozess dürfte normalerweise durch die in die Dermis eingebrachte Farbe nicht beeinträchtigt werden. Die vom Kollegen angesprochene Thematik der psychischen Belastung durch verunstaltete Tattoos ist aber auf jeden Fall diskussionswürdig. Als nicht- tätowierter Mensch unterschätzt man eventuell die Bedeutung für den Beteiligten. Ein medizinisch induzierter Eingriff hat natürlich immer Priorität, allerdings sollten wir dem Patienten mit entsprechender Empathie begegnen. Je nach Fall kann über Alternativmethoden aufgeklärt und/oder die Dringlichkeit des Eingriffs hervorgehoben werden. Eventuell können Laserbehandlungen zur Entfernung im Nachhinein eine Option sein. Wir sollten uns allgemein immer den Körperveränderungen und den damit eihergehenden Ängsten und Sorgen von Patienten vor Operationen bewusst sein. Obwohl natürlich der positive Verlauf und die Genesung Priorität haben. Meist bewirkt es bereits Wunder, dem Patienten entsprechendes Verständnis und Empathie für seine Situation entgegenzubringen. Dadurch wird ihm signalisiert, dass wir uns der Ausmaße unseres Tuns durchaus bewusst sind und entsprechend vorsichtig vorgehen.


Ich wüsste nicht, warum ein Tattoo im OP-Gebiet die Wundheilung beeinflussen sollte. Die Funktion der Hautzellen ist ja nicht durch die Tätowierung zerstört, richtig? Das größere Problem für eine gestörte Wundheilung sind wohl eher ein schlecht eingestellter Diabetes oder ein hoher Blutdruck usw.
Das Problem mit den Tattoos ist meiner Meinung nur, dass man sie nicht immer "umschneiden" kann. So ein „Arschgeweih“ liegt dann natürlich genau im Schnittbereich bei einer Nucleotomie… Ich bereite die entsprechenden Patienten im Aufklärungsgespräch immer darauf vor und vermerke das auch auf dem Aufklärungsbogen – das ist mir im heutigen Zeitalter der Klagen sicherer! Ich versuche dann die Naht, wenn möglich intracutan zu legen und die Tätowierung so gut wie möglich zu adaptieren. Nicht immer ist das möglich. Bis jetzt hatte ich aber keine Probleme mit den tätowierten Patienten. Viele sprachen davon, dass sie sich ein paar Wochen später im Tattoostudio eventuelle "Bildfehler" korrigieren lassen würden…


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