Plastische-, Hand- und Verbrennungschirurgie, Allgemeine Chirurgie + Visceralchirurgie, Allgemeinmedizin, Innere Medizin

Nekrotisierende Fasciitis 6 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 81 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Dr. ...
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Kardiologie, Pneumologie
Berlin
Wir hatten gestern eine neue Patientin auf unserer Station . Die Aufnahmediagnose lautete Pneumonie. Sie hatte eine Leukozytose mit 27.000 und 230 CRP. Das passte schon zur Pneumonie und der Klinik sowie dem radiologischen Befund. Nun fiel noch eine Rötung und Induration in der rechten Schambeingegend auf. Das Bein war auch etwas geschwollen. Schmerzen gab die Patientin allerdings ubiquitär an.

Duplexbefund: kein Hinweis auf Thrombose
Weichteilsono: Infiltration ohne Abszedierung

Wir machten ein chirurgisches Konsil...wenige Stunden später lag die Patientin mit der oben angegebenen Diagnose auf dem Operationstisch. Das war quasi knapp. Der Verlauf ist auch noch nicht geklärt.

Komisch, dass die Patientin lokal gar keine großen Beschwerden angegeben hat. Hätten wir nicht beim Status den Befund erhoben, hätte sie davon nichts erzählt.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

Mich hat es gelehrt, auf solche Dinge mehr zu achten, auch wenn es selten vorkommt, kann man immer auf die Nase fallen mit zu schnellen Erklärungen für in diesem Fall eine Paraklinik.

MfG

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Dr. ...
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Dermatologie 1

Nach einem chirurgischen Konsil auf dem Op-Tisch zu liegen - eine interessante Erfahrung!

Eine nekrotisierende Fasciitis wäre jedoch eine so schwerwiegende Erkrankung, dass die Patienten wohl allenfalls wegen ausgeprägter Schmerzsymptomatik verheimlichen hätte können.

Alleine die Lokalisation sollte ja für die gestellte Diagnose schon zu denken geben, ich hoffe jedenfalls einmal, sie wollen uns damit nicht "verarschen".


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Dr. ...
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FA für Urologie

Lieber Kollege Irion,

der belehrend überhebliche, Allwissenheit suggerierende Tonfall Ihres obigen Beitrages ist aus meiner Sicht völlig daneben.

Ich habe als Urologe mittlerweile 9 mal eine Fournier'sche Gangrän in unterschiedlichster Ausprägung gesehn. Vom gering eingeschränkten Patienten mit lediglich initialem Skrotalödem bis zum Vollbild.

Mein 4. gesehener Fall war der erste für meinen damaligen Klinikchef. (Ich war zu diesem Zeitpunkt vom ländlichen Kreiskrankenhaus an eine Universitätsklinik gewechselt.)

Insofern halte ich den Beitrag der Kollegin Petersen für gar nicht so abwegig, weil das Krankheitsbild doch eher selten ist. In meinem Ärztehaus sind mehrere langjährig praktizierende Hausärzte, die es noch nie sahen.

Wer es, wie Sie und ich kennt, denkt sicher bei seinen differentialdiagnostischen Überlegungen eher daran, den anderen hat es Kollegin Petersen mal wieder aus dem Hinterkopf gekramt. Bei einer Mortalität von 50% sollten wir dafür dankbar sein.


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Dr. ...
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FA für Urologie

Sehr geehrter Kollege Irion,

Ihr geschilderter Fall zeigt doch letztlich nur, wie wenig das Krankheitsbild wirklich bekannt ist. Ich vermute, daß dieses "Verkennen" auch einen großen Teil der Sterblichkeit verursacht.

Ich habe es auch schon "umgekehrt" erlebt, daß ich zu einem auf der Dermatologie eingewiesenen Patienten konsiliarisch gerufen wurde, der schon vom Dermatologen und vom Chirurgen untersucht und ratlos "beäugt" wurde. Ich habe dann als Jungfacharzt (3 Wochen nach der Prüfung) die beiden Oberärzte verblüfft und die Op-Indikation gestellt. Das war mir aber auch nur möglich, weil ich das Krankheitsbild bereits gesehen hatte. Weder der chirurgische noch der dermatologische Oberarzt hatten es "frisch" gesehn, sondern immer erst nach der operativen Primärversorgung.

Gelernt haben übrigens alle drei Beteiligten aus der Geschichte: die Oberärzte, wie die Fournier'sche Gangrän im Anfangsstadium aussieht und ich viel über plastisch-rekonstruktive Wundversorgung. Diese "win-win-win-Situation" verbindet uns immer noch freundschaftlich-kollegial, weil keiner sich dem anderen überlegen fühlte, sondern man gemeinsam für den Patienten arbeitete und weiter arbeitet.

Konstruiert oder nicht ist mir völlig Wurst. Richtig erkennen ist entscheidend.

Und wenn dieses Forum dazu führt, daß sich der eine oder andere Kollege mit der Fournier'schen Gangrän befaßt, um sie in seinem differntialdiagnostischen Repertoire zu verwurzeln, dann hat es doch seinen Zweck erfüllt.


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Dr. ...
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FA für Chirurgie

Liebe Koll. Petersen,
Ihre Beschreibung ist geradezu typisch für die Fournier´sche Gangrän, besonders die frappierende Diskrepanz zwischen massiv erhöhten Entzündungsparametern, in fortgeschrittenen Situationen auch klinischen Zeichen der Sepsis, und dem vergleichsweise blande erscheinenden Lokalbefund und oftmals fehlender oder nur geringer Schmerzhaftigkeit. Es handelt sich hier um eine chirurgische Erkrankung, die sich als nekrotisierende Entzündung an den Muskelfaszien ausbreitet und immer sehr viel ausgedehnter ist, als der klinische Aspekt vermuten lässt. Insofern war das o.g. Vorgehen - chirurg. Konsil und sofortige OP genau richtig. Heilung ist nur möglich durch vollständige Exzision der infizierten und nekrotischen Weichteile, was manchmal zu riesigen Defekten führt. Ein Dermatologe kann dabei nicht helfen, eine konservative Behandlung ist nicht möglich und ist schlimmstenfalls für den Patienten fatal; auf die hohe Letalitätsrate wurde bereits hingewiesen.Ich habe in über zwanzigjähriger Tätigkeit als Chirurg nach meiner Erinnerung nur zwei dramatische Fälle einer F.G. behandelt, die Erkrankung ist wirklich selten. Sie werden auf Grund Ihrer Erfahrung zu denen gehören, die im Zweifelsfall an diese Differentialdiagnose denken. Das kann unter Umständen lebensrettend sein.
U. Sauer, Chirurg


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Dr. ...
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Dermatologie 1

Ist ja schon gut, ich dachte der Fall wäre geklärt!

Herr Petersen schreibt jedenfalls nicht wie ein Internist mit Zusatzbezeichungen Pulmologie und Kardiologie, sondern allenfalls wie in Pjler, der uns einmal eben hier eine interessante Examensfrage zur Diskussion stellt!

Übrigends, wer hier regelmäßig mitliest, nicht zum ersten Mal, aber seis drum!


Seien Sie getrost, für seinen scharfen Ton ist Herr Irion bekannt -das hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun!!

Er ist auch schon mehrfach darauf hingewiesen worden -keine Ahnung, ob es mal Früchte trägt...


Dr. ...
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Chirurgie

Sehr geehrter Herr Kollege Irion
Dass Ihr Patient KEINE Fournier'sche Gangrän hatte, beweist der Verlauf: hätte er eine gehabt, wäre er bereits während seines 5-tägigen stationären Verlaufs septisch geworden - und Ihr Steroid-Stoss hätte ihm wohl den Rest gegeben ;-( ...
Wie Herr Kollege Sauer schreibt, ist im Frühstadium die Diskrepanz zwischen massiv erhöhten Entzündungsparametern und fehlenden subjektiven Lokalbeschwerden typisch dafür. Deswegen ist es essentiell, daran zu denken, wie das Frau Kollega Petersen vorbildlich getan hat.
Übrigens haben ja die Kollegen von der Chirurgie ihre Diagnose sicherlich histologisch und bakteriologisch verifiziert. Dass die betroffene Patientin eine Frau ist, ist zwar die Ausnahme (Geschlechterverhältnis 10 : 1), führt aber deswegen leider oft zu einer verspäteten Diagnosestellung, weil niemand daran denkt. Von den drei Fällen, die ich mitbetreut habe, ist die einzige Frau verstorben!
Frau Petersen ist dazu zu gratulieren, dass sie ihren Eintrittsstatus umfassend gemacht und daran gedacht hat: sie hat der Patientin damit wohl das Leben gerettet. Und Internist(in) zu sein, ist kein Makel - ebensowenig wie alle Dermatologen anderen unlautere Motive unterstellen ;-( ...
MfG


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