Immer wieder liest man von steigenden Anzahlen operativer Eingriffe und deren Nicht-Notwendigkeit in der Presse. Gerade die Orthopäden werden hierbei regelmäßig öffentlich an den Pranger gestellt! Aber befasst sich auch mal jemand mit der anderen Seite?

Ich möchte hiermit nicht alle durchgeführten Eingriffe rechtfertigen. Aber zumindest ein paar versuchen zu begründen.

Sieht man sich beispielsweise die konservative Behandlung der Achillessehnenruptur an, die kaum noch durchgeführt wird sondern fast immer durch die chirurgische Therapie ersetzt wird. Warum?

Eine konservative Behandlung wäre zwar in vielen Fällen möglich. Doch sie erfordert regelmäßige klinische Kontrollen und wöchentliche sonographische Untersuchungen.

Ein ambulanter Orthopäde würde also (durch die einmalig erhaltene Pauschale) keine weiteren Untersuchungen bezahlt bekommen und das über Wochen. Es handelt sich bei der ambulanten Behandlung also um ein "Minusgeschäft". Was sollte man hier ursächlich kritisieren?

Den Orthopäden, der nicht kostenlos arbeiten möchte oder das Gesundheitssystem, welches eine konservative Behandlung nicht bezahlt?

Wie wahr! Und fragen Sie doch mal die Patienten, ob sie lieber eine für sie kostenlose chirurgische Behandlung oder eine konservative Therapie, die sie selbst bezahlen müssen, bevorzugen!

Genau das sind die Diskrepanzen, die der Patient nicht kennt und die mal öffentlich diskutiert werden sollten. Ein weiteres Problem bei konservativen Behandlungen ist meiner Erfahrung nach auch die fehlende Kapazität im physiotherapeutischen Bereich. Eine Säule der konservativen Therapie stellt nun mal die Physiotherapie dar. Wenn der Patient jedoch auf seinen ersten Physiotherapie-Termin wochenlang warten muss, so sind die Patientenzufriedenheit sowie der medizinische Erfolg natürlich eingeschränkt.


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