Klinische Pharmakologie, Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Pharmakologie und Toxikologie, Allgemeine Pharmakologie, Innere Medizin

Deutliche Zunahme antibiotika assoziierter Diarrhoen? 11 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 280 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Eine Frage an die niedergelassenen Kollegen.

Haben Sie den Eindruck, dass in letzter Zeit antibiotika assoziierte Diarrhoen mit schwereren Verläufen deutlich zunehmen?
Welcher Wirkstoff ist für Sie Mittel der Wahl bei der ambulante Behandlung einer rezidivierenden antibiotika-assoziierten Diarrhoe?

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Dr. ...
Dr. ...
FA für Laboratoriumsmedizin 1

Liebe Kollegen,
Seitdem unsere Patienten konsequent mit qualitativ hochwertigen Probiotika schon zu Beginn und währen der Antibiose behandelt werden, haben wir seit 4 Jahren keinen einzigen Fall einer C. difficile Infektion und entsprechender Symptomatik gesehen. Hierzu gibt es aus den angloamerikanischen Ländern entsprechende Literatur, die dieses exakt bestätigt. Deshalb wäre grundsätzlich zu jeder Antibiose eine prophylaktische Probiose zu fordern, um der Dysbiose entgegenzuwirken.
Wenn dann im Ausnahmefalle tatsächlich es zu einer Behandlung von C. difficile kommen muss, kann nach neuerer Literatur Fidaxomicin ("A Macrocyclic Antibiotic for the Management of Clostridium difficile Infection", Annals of Pharmacotherapy, 01/14/10) bei milderen/mässigen klinischen Verläufen als künftiges Antibiotikum nach weiteren Studien zur Anwendung kommen.


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Dr. ...
Dr. ...
FÄ für Allgemeinmedizin

Kommentar zu Dr. Schwarzbach,
auch ich kann bestätigen, dass es unter gleichzeitiger Gabe von Probiotika deutlich weniger zu gastrointestinalen Nebenwirkungen bei AB-Gabe kommt. Wie von Herrn Kollegen Irion schon angemerkt, kommt es durch die Antibiose zur Dysbiose. Dieser kann durch parallele Gaben von Lactobazillen oder Colibiogen zu der Antibiose entgegengewirkt werden. Kommt es zu antibiotikaassozierten Diarrhoen d.h. Dysbiosen, sollten wir auch wieder eine"Eubiose" mit Milchsäurebakterien, E.coli oder Enterokokken, je nach Befund, wiederherstellen.


Lieber Kollege Schwarzbach,

welche Patienten (Symptome, Diagnosen?) werden von Ihnen mit Probiotika behandelt?


Zum Kommentar des Kollegen Bernhardt:

Ihre Beobachtung deckt sich mit Berichten in der Literatur von Kollegen in Nordamerika und Europa. Die vermehrte Verschreibung von Moxifloxacin und eine Moxifloxcin-Resistenz von C. difficile scheinen hier hauptverantwortlich zu sein. Die trifft auch oder v.a. für die sog. "hypervirulenten" C. difficile-Stämme zu.


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Dr. ...
Dr. ...
FA für

Ich selbst gehe das Thema , sofern der Patient es zulässt, gerne homöopathisch an, mit gutem Erfolg.


Dr. ...
Dr. ...

Das Problem liegt eher nicht in „wie behandeln“, sondern in Frage Kostenübernahme.

Die von Kollegen erwähnte prophylaktische Gabe von Probiotika ist wirklich effektiv, auch ist Efahrung mit Saccharomyces boulardii sehr positiv . Man kann solchen Diarrhöen mit der Gabe von Echerichia coli viel schneller in Griff bekommen.
Eine wirklich wirksame Rezidivprophylaxe ist NUR mit der Beseitigung der vorhandenen Darmdysbiose möglich. Aber – Kostenübernahme ist dann ein wirkliches Problem.

Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass in solchen Fällen sogar bei der volligen Symptomfreiheit die ausgeprägte Störungen von Darmflora Monate bis Jahre danach noch vorhanden sind. Da liegen dann Wurzel für die mögliche zukünftige RDS, Allergie und Autoimmunität.


Dr. ...
Dr. ...
FA für Laboratoriumsmedizin 1

Es besteht hier ein breiter Konsens zum praktischen Einsatz von Probiotika zur Risiko-Reduktion einer C. difficile-Infektion; d.h. Prophylaxe zur Symbiose, bevor das "Kind in den Brunnen gefallen ist". Bezüglich der Kostenübernahme ist aber doch zu fragen, ob es nicht wesentlich günstiger kommt, grundsätzlich Antibiosen mit Probiotika zu begleiten, da die Antbiotika-Kosten sowie evtl. Komplikationen für das Gesundheitssystem wesentlich teurer kommen dürfte. Gibt es hier schon einen Ansatz zur Berechnung der Opportunitätskosten ?


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